Noteninflation: Aber auch nur in Berlin

Vor ein paar Tagen erreichte auch mich die unfassbare Nachricht darüber, dass der Deutsche Lehrerverband beklagte, dass es "zu viele " 1,0er Abi´s gäbe. Allein in Berlin hätte sich das NC-Abi vervierzehnfacht.



Die vollkommen irrsinnige Konsequenz: Man soll das Niveau weiter anheben.

Ich glaube kaum, dass der Verbandschef irgendeine Ahnung davon hat, wie hart die Anforderungen im Gymnasium inzwischen sind. Vor allem hier in Bayern. Ich selbst habe das Gymnasium besucht und empfand es schon damals als eine Tortur. Aber das, was aktuell meine Tochter auf dem Gymnasium (München, 5. Klasse) durchmacht, ist an Leistungsdruck kaum noch zu überbieten. Gerad in Englisch wird so schnell vorangeschritten, dass die Kinder keine (!) Chance haben, den Lernstoff zu verinnerlichen.


Dies ist, angesichts der durchschnittlichen Klassengröße von 33 Kindern, ein probates Mittel, um einen nicht unerheblichen Prozentsatz an Kindern binnen des ersten Schuljahres auszusieben.




Das bayerische Gymnasium ist nur für diejenigen Kinder schaffbar, die bereits früh einen großen Lerneifer, Selbstdisziplin und absoluten Erfolgswillen mitbringen. Mit Intelligenz oder gar Begabung hat dies wenig zu tun. Meines Erachtens kann auch das dümmste Kind mit den genannten Eigenschaften das Schulsystem erfolgreich durchlaufen.

Kein NC - Kein Studium

Das die Tendenz zu mehr 1,0 Abiturzeugnissen besteht, ist nur eine logische Folge der durch G8 und der PISA-Studie verschärften Bedingungen, unter denen die Schüler aktuell leiden müssen. Die Eltern haben sich bereits darauf eingestellt. Bezahlen Unsummen an Nachhilfestunden, privaten Lehrern und Abi-Intensivierungsworkshops. Warum? Ohne einen NC sind ein Großteil besonders beliebter Studiengänge nicht mehr erreichbar.
Dies setzt die Kinder / Jugendlichen und deren Eltern entsprechend unter Druck, was viele Schüler dazu bewegt, ihre gesamte Freizeit in Vorbereitungszeiten für die Schule zu investieren. Dies spiegelt sich natürlich auch in den Noten wieder.

Das dies nun als Manko beklagt wird, zeigt nur, wie absurd und beliebig die Bewertung der schulischen Leistungen der Schüler ist.
Hieß es noch vor wenigen Jahren, anhand der schlechten Noten stände Deutschland im europäischen Vergleich schlecht da, sind es nun die zu guten Noten, die kritisiert werden.

Hintergrund der Diskussion ist natürlich nicht das fehlende Leistungsniveau. Vielmehr stecken die hiesigen Universitäten und Hochschulen in einem Dilemma: Zu wenig Platz für zu viele Studenten. Und da es viel zu kostenintensiv wäre, im großen Stil mehr Studienplätze anzubieten, schraubt man eben mal das Leistungsniveau hoch.

NC statt Klasse

Das Problem mit dem NC: Dieser sagt nichts über die persönliche Qualifikation für einen bestimmten Studiengang aus. Er besagt nur, dass der Studienzugang Leuten gewährt wird, die einen großen Leistungswillen mitbringen. Doch genügt das? Und führt es am Ende nicht zu einer qualitativen Verschlechterung der Berufsbilder?

Einheitlich, aber nicht schwerer

Viel sinnvoller wäre letztlich eine Angleichung der Schulsysteme. Gleiche Chancen für alle! Und keine Bildung von Eliten, die es eh schon zu Genüge in unserem Lande gibt.

13.12.16 20:32

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