Soziale Berufe: Die Superstars der Arbeitswelt?

Erzieher und Sozialpädagogen sind – man hätte es nicht für möglich gehalten – die am meist gesuchtesten und am aktuell schwierigsten zu besetzenden Stellen. Vor ein paar Jahren sah dies noch anders aus. Man erinnere sich an die Zeiten, als man insbesondere über arbeitslose Sozialpädagogen spottete. Der Berufswunsch per se legte bereits eine gewisse Bereitschaft für die Zu-Arbeit in der Gastronomie oder als Taxifahrer nahe. Und auch das äußere Bild eines sozial Engagierten hatte häufig einen Hauch von Birkenstock mit Öko-Frisur-Flair. Spätestens jedoch seitdem immer mehr Mütter nach einer Vollzeit-Betreuung für ihre Kinder verlangen und mit viel Karrierebewusstsein die Betreuungs- und Erziehungsarbeit gern in die Hände von Fachleuten legen, ist der Bedarf weitaus größer als das Angebot. Doch nicht nur Erzieherinnen oder Erzieher sind begehrt wie nie zu vor. Soziale Berufe im Allgemeinen gehören nun zu den gefragtesten unserer Zeit. Der Ausbau von Behandlungs- und Beratungszentren zu allerlei Themen in Deutschland zahlt sich nun aus. Es gibt kein Problem, für das es nicht gleichzeitig eine kompetente Beratung gibt.

Sozial = sexy

Die erhöhte Nachfrage hatte jedoch noch einen anderen „Side effect“: Menschen in sozialen Berufen sehen gut aus! Vergessen die Zeiten, als man die Damen und Herren auf 5 Meilen Entfernung anhand äußerer Merkmale hatte sofort erkennen können. Stattdessen sieht man die selbstbewussten Sozialpädagoginnen im kurzen Kleid mit Manolo Blahnik-Schühchen – äußerlich gleichauf mit jeder Bankerin, Wirtschaftsexpertin oder Agenturbesitzerin. Auch die männlichen Wohltäter unseres Landes zeigen sich inzwischen ungewohnt gepflegt, trainiert und können mitunter – zumindest äußerlich – als eine Casting-Alternative für Game of Thrones durchgehen. Das neue soziale Ich = sexy!



Wunschkonzert

Welche Auswirkungen dies hat? Von der äußerlichen Verwandlung ganz abgesehen, stechen sich potentielle Arbeitgeber zunehmend mit immer besseren Jobkonditionen gegenseitig aus. Wer sich heute als Erzieherin bewirbt, kann – je nach Träger - mit übertariflicher Bezahlung, zusätzlichen sozialen Leistungen und einer verkürzten Probezeit rechnen. Für diese Berufsgruppe entspricht die Jobsuche aktuell tatsächlich einem Wunschkonzert. Die freie Wahl zu haben, ist ein hohes Gut und trägt zu einer größeren Zufriedenheit in Arbeit und Beruf bei. Die Ingenieure der Soziallandschaft sozusagen.Letzens fragte man mich, ob ich nicht mehrere Stellenanzeigen für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen weiterleiten könnte, da sich in meinem Bekanntenkreis in der Tat so einige Weltverbesserer befinden. Doch als ich die Anzeige las, verwarf ich sie auch gleich wieder. Dieser Arbeitgeber hatte leider den „Schuss“ noch nicht gehört. Keine Extras, kein „Chinge-Bow-Wow“. Stattdessen Tarif xy mit 2 Jahren Befristung. So ändern sich die Zeiten…

3 Kommentare 24.5.19 14:49, kommentieren

Thai-Massage: Nichts für schwache Nerven!

Vor etwa 2 Wochen gönnten mein Freund und ich uns eine „Partner-Thai-Massage“. In der Annahme, ein Erlebnis vollkommener Entspannung und Wellness zu bekommen, begaben wir uns in den kleinen asiatischen Laden um die Ecke. Hier hatte man uns telefonisch eine solche Massage zugesagt. Als wir erstmalig in den kleinen Laden hineingingen, wunderten wir uns schon etwas über die Aufmachung.

Das Geschäft als solches hatte nicht mehr als 10 qm. Linker Hand gab es eine kleine Sitzgelegenheit neben einer sehr schmalen und kleinen Theke, auf der ein Terminplaner lag. Rechts sah man eine Reihe von batikfarbenen Tüchern. Dahinter verbargen sich vier einfache Liegen, die durch weitere drei Tücher getrennt waren. Eine junge, hübsche Asiatin führte uns in zwei nebeneinander liegende „Kabinen“, in denen wir uns schon einmal ausziehen sollten. Das taten wir auch und legten uns bäuchlings auf die Liegen. Ich lauschte den sanften, asiatischen Klängen und spürte dem angenehmen Duft von Massageöl nach, der deutlich in der Luft hing.

Schließlich kam eine etwas ältere Asiatin in den Raum hinein, legte mir ein Handtuch über meine Hüfte, lehnte sich sanft über mich und hauchte ein: „Wenn äh weh tut, sagen, ja“ in mein Ohr.

Wenn äh weh tut
Ich nickte ihr kurz zu, so, als ob es nicht wichtig und völlig abwegig wäre. Denn noch immer wähnte ich mich in vollkommener Entspannung und freute mich auf die nun folgende Massage. Und doch, als die Masseurin mit lautem und hektischen Drücken eine größere Menge Öl in ihre Hände fließen ließ, hallten ihre Worte plötzlich in meinem Kopf nach „Wenn äh weh tut..“. Und noch bevor ich einen realen Gedanken des Zweifels ausformulieren konnte, hörte ich, wie die Dame mit einem lauten Klatschen das Öl auf meinen Rücken patschte und diesen mit ruppigen, fast brutalen Kniffen bearbeitete. Sie drückte, tief und noch tiefer. Verbog, quetschte und drückte noch tiefer hinein. Die ganze Zeit über fühlte ich mich wie jemand, der gerade von einem Bus überfahren wurde und dessen Hirn aufgrund des Schocks noch nicht reagiert hat. Mit weit aufgerissenen Augen spürte ich dem brutalen Treiben der Dame hinter mir nach, hielt den Atem an und biss die Zähne zusammen. Verzweifelt drehte ich meinen Kopf in Richtung meines Freundes in der Hoffnung, ihm ginge es genauso. Doch bevor ich ihn auch nur sehen konnte, drehte die resolute Dame meinen Kopf wieder herum und begann damit, meinen bis dahin vollkommen entspannten Nacken zu bearbeiteten. Und da war es dann soweit. Der Schmerz raubte mir den Atem und so stieß ich tatsächlich ein „Aua!“ aus.



Aua heißt in Thailand „härter“?
Schmerzverzerrt verkrampfte ich meinen Nacken. „Oh, hier sehr hart“, erkannte meine findige Peinigerin sofort und drückte wiederholt noch tiefer in das sicherlich bereits verletzte Muskelgewebe hinein und abermals entglitt mir ein „Aua! Das tut weh!“. So, dies würde nun sicherlich der Zeichen genug sein, dachte ich mir und atmete tief durch.


Der Zeichen nicht genug
Doch mein Atem war noch nicht ganz meiner Lunge entwichen, als die Dame erneut die durch sie selbst verursachte Verkrampfung mit weiterem, unerträglichem Hineindrücken und Darüberstreichen zu lösen versuchte. Inzwischen biss ich bereits in das vor mir liegende Handtuch hinein. Denn offenbar waren ihr meine Schmerzensschreie mehr Motivation als Warnung und so musste ich um alle in der Welt versuchen, keinen Mucks mehr von mir zu geben.

Währenddessen hörte ich meinen Freund zu seiner Masseurin sagen: „Bitte nicht ganz so fest“. Oh, dachte ich mir. Und das kommt von jemandem, der seinen Schmerz zu keinem Zeitpunkt zum Ausdruck bringen würde. An diesem Punkt wusste ich also, dass ich mit dieser, ganz sicher traumatisierenden, Erfahrung nicht mehr alleine war. Dies gab mir Kraft, um auch noch die folgenden Minuten zu ertragen. Vielleicht würden die Schmerzen am Ende ja sogar noch für etwas gut sein. Vielleicht würde es mir mein nun völlig neu arrangiertes Muskelgewebe danken?




Mein Muskelgewebe dankt es mir nicht
Tatsächlich arbeitete sich die Dame vom tieferen Rücken, über die Finger, Hände, Unter- und Oberarme zu den Schultern, dem Nacken und sogar zur Kopfhaut vor und jede Stelle, die sie „behandelte“ tat danach weh. Jede. Selbst, als sie ganz am Schluss noch über mein Gesicht ging und hier herumdrückte und meine Haut hin- und herschob, fühlte ich Schmerzen und ein heftiges Unbehagen. Und dann, als ich schon dachte, es hört nicht mehr auf, warf sie plötzlich meinen Kopf zur Seite und meinte: „Schluss“. Hektisch drückte sie meinen Oberkörper nach oben und wollte mir wohl damit zu Verstehen geben, dass ich mich aufsetzen soll. Nun denn, das tat ich auch. Doch als die gute Dame, die in Guantanamo die härtesten Taliban zum Singen gebracht hätte, in mein Gesicht blickte, durchfuhr sie ein kurzer Schreck.

Schmerzen machen doch nicht schön
Ihre Reaktion machte mich etwas stutzig. Also sah ich zu meinem Freund hinüber, der bereits dabei war, sich anzuziehen. Erst lächelte er doch im nächsten Moment war auch bei ihm ein kleiner Schock zu verzeichnen, den er sogleich versuchte mit einem noch breiteren Lächeln zu überspielen.

Irritiert und wackelig auf den Beinen zog ich mich an, packte meine Sachen und warf nun selbst einen Blick in eine der Fensterreflektionen. Nun, soviel sei gesagt – 45 Minuten Dauerschmerz sind einem Menschen offenbar auch nachhaltig anzusehen. Meine Augen waren rot, klein, mein Gesicht weiß wie die Wand. Hinzu kamen noch die völlig zerzausten Haare, die von der ruppigen „Kopfhautmassage“ gezeichnet waren. Kurz gesagt: Ich sah aus, wie eine Psychiatrieinsassin auf einem schizoiden Trip.

Ibuprofen, mein bester Freund
Was als anregender und entspannender Auftakt eines gemeinsamen Paarwochenendes gedacht war, endete nun hier. An den Stufen dieses kleinen, unscheinbaren Asialadens. Die nächsten Tage konnte ich meinen Kopf kaum bewegen und auch der Rest meines Körpers schmerzte bei jeder Bewegung. Ich jammerte meinem Freund die Ohren voll. Dieser, nicht weniger enttäuscht von dem kläglichen Ausgang eines kinderfreien Wochenendes, brachte mir eine Ibuprofen nach der anderen. Immerhin – sie halfen mir. Sie verstanden und lösten meinen Schmerz.

Was ist also die Lehr dieser Geschicht? Buche keine Massagen, die Du nicht vorher gegooglet hast, nicht.

4 Kommentare 23.4.19 23:06, kommentieren

ARD-Produktion „Sohn“: Das schlimmste, was Deutsches Fernsehen zu bieten hat

Gestern Abend kam noch eine Freundin vorbei, um sich mit mir einen Film anzusehen, in dem es um „Alleinerziehende und Pubertät“ in der ARD ging. Dies war zumindest die Vorabinformation auf deren Basis wir uns dann den filmischen Albtraum ansahen; besser durchquälten. Denn was uns da erwartete, war wirklich das abgrundtief peinlichste und schlechteste, was ich überhaupt je gesehen habe. Dagegen ist „Sharknado 2“ ein Filmkunstwerk mit Nominierungspotential.

„Sohn“: Der Fehlversuch einer kaputten Mutter-Sohn-Beziehung

Vorweg muss gesagt werden, dass der Film ein grundsätzlich zu diskutierendes Thema bearbeiten will: Die Überbehütung von Kindern. Um diesem dann noch etwas Glaubwürdigkeit anzuhaften, konstruierte man noch den Umstand des Alleinerziehens plus chronischer Erkrankung des Kindes (Asthma) dazu. Theoretisch hätte dies funktionieren können. Ein spannendes Beziehungsdrama zwischen Mutter und pubertierendem Sohn. Doch was sich die Macher dieses Films hier erlauben ist nicht nur unerträglich – es ist schlicht vollkommen überzeichnet und komplett unrealistisch. Jeder, der selbst Kinder hat, wird mir beipflichten. Dass der Filmsohn vollkommen verkorkst ist, hat sicher wenig mit dem Asthma des Jungen und noch weniger mit der Tatsache zu tun, dass die Mutter alleinerziehend ist. Die Schuld darin suchen zu wollen erscheint eher als Beleidigung aller Alleinerziehenden gegenüber, die in den allermeisten Fällen doch eher weniger Zeit haben, ihr Kind überzubehüten, als die klassischen Vorstadtmütter mit vollverdienendem Ehemann. Typisch mal wieder der überzeichnete, typisch deutsche Versuch von Schauspielkunst: Alle Figuren sind viel zu ernst, zu aggressiv, zu wütend. Im Theater der Antike sicherlich hoch gefeiert, wirkt die Darstellung im Jahre 2017 vollkommen daneben. Dabei können die Darsteller noch am wenigsten dafür. Sie alle brauchen das Geld und haben nur das umgesetzt, was ihnen vorgegeben wurde. Die Skript-Schreiber und Macher des Films jedoch wussten was sie taten – und dies noch finanziert.

Meine Freundin und ich überlegten gestern noch länger angestrengt, wer ein solches Filmprojekt wohl durchgewunken haben könnte. Die Tatsache bei Seite gelassen, dass der Film auch noch durch öffentliche Gelder finanziert laufen darf, ist das miese und grenzwertig perverse Drehbuch nur durch ein ebenso schlimmes Gedankengut des Schreibers zu begründen. Erfahrungswerte von Eltern mit pubertierenden Kindern wurden hier ganz sicher nicht wiedergespiegelt. So lässt sich das immerwährend gegenüber der Mutter brüllende und aggressive Verhalten eher durch eine grundlegende Störung (zu behandelnde) erklären, als durch zu viel Liebe der Mutter.

Die ehrliche Zusammenfassung einer filmischen Katastrophe

Daher hier noch einmal – exklusiv und brandheiß – die Ankündigung, die dem Film eher gerecht geworden wäre:

„Eine psychisch kranke Frisörin lebt mit ihrem gestörten, fast erwachsenen Sohn zusammen, der sich ihr gebenüber stets aggressiv und vulgär verhält. Die wenig cleveren Versuche ihrerseits, mit ihrem Sohn ins Gespräch zu kommen, werden von ihm wieder und wieder mit anzüglich-aggressiven Worten und einem sofortigen Abgang abgestraft. Im Laufe der Geschichte werden am Wohnort der Familie mehrere Frauen brutal vergewaltigt und umgebracht. Die Mutter, die ihren Sohn beim Sehen von Bondage- und SM-Pornovideos erwischt, verdächtigt sofort ihn als Täter. Die Tatsache, dass dieser bei jeder kleinsten Anstrengung einen fast tödlichen Asthmaanfall erleidet, scheint sie bei der Verdächtigung nicht zu irritieren und so beschließt sie schließlich ihm weiter nachzuspionieren. Als der Sohn auch bei weiterem Nachfragen immer aggressiver wird und sie sogar würgt, nimmt sie – nach wie vor in dem Wahn lebend, er wäre der Mörder der Frauen – von ihm innerlich Abschied. In einer weiteren Eskalation zwischen beiden hat er erneut einen Asthmaanfall und sucht sein Spray, welches die Mutter ihm, versteckt in ihrer Hand haltend, nicht gibt und dabei zusieht, wie er stirbt. Bei der Beerdigung kommt raus, dass der Mörder ein anderer war.“

Die Lehr von der Geschicht

Nachdem wir uns fast 1 ½ Std. durch den Film durchgequält hatten, fragten wir uns unwillkürlich: Und was nun? Was sollte uns das nun sagen? Sollte man aggressive Söhne und deren Mütter zukünftig besser im Auge behalten? Sollte man Alleinerziehende überhaupt besser im Auge behalten? Sollten alle Söhne Alleinerziehender und deren Mütter prophylaktisch behandeln? Sind am Ende alle Frisörinnen psychotische Mörderinnen?

Meine „Lehr“, die kenne ich zumindest: Schau Dir keinen deutschen Fernsehfilm mehr an. Danke.

2 Kommentare 7.9.17 11:00, kommentieren

Guy of the day: Keanu Reeves

Dem ein oder anderen jüngeren Kinobesucher wird Keanu Reeves eventuell schon nichts mehr sagen. Doch für mich war und ist er eine der wenigen, leisen Größen in Hollywood.



Entgegen vieler umtriebiger Kollegen, ist Keanu Reeves ein Mensch, der sein Privatleben schätzt und schützt. Man sieht ihn so gut wie nie auf Events, und wenn, dann nur, weil ein Promovertrag ihn dazu verpflichtet. Er spricht wenig, wirkt in Interviews schüchtern, fast ungelenk. Dafür erstrahlt er in einem äußerst sympathischen Licht der Bescheidenheit. Seine Kollegen und Kolleginnen schätzen ihn, jubeln ihn geradezu gen Himmel. Darunter Worte wie „… er ist so diszipliniert und arbeitet so hart an sich, wie sonst kein anderer.. „ (Charlize Theron) oder „… er ist ein komplett ehrlicher Kerl. Er sagt direkt was er denkt und was er will und genauso ist er zu allen anderen; fragt diese ständig, was er noch besser machen könnte...Das ist sehr, sehr selten in dem Business..“ (Sandra Bullock).



Man weiß sonst nicht viel über diesen Mann. Sein Privatleben unter Verschluss gehalten, werden seitens der Presse lediglich Vermutungen angestellt. Immer wieder werden ihm und Sandra Bullock eine Beziehung angedichtet. Angesichts der Chemie, die zwischen beiden herrscht, ist dies auch kein Wunder. Zusammen haben sie in „Speed“ und „Das Haus am See“ ein Traumpaar abgegeben – beide Male hätte man ihnen gewünscht, die Liebesgeschichte würde sich auch im realen Leben fortsetzen.

Neidisch?

Immer wieder machen sich Hollywood und Cineasten auf aller Welt über die Darstellungskünste Reeves lustig. Vor allem über seine Rolle in „Dracula“. Zu Unrecht, wie ich finde. Seine Darstellung in Filmen wie „Speed“ und „Sweet September“ belegen, dass der Mann zu weitaus mehr fähig ist, als man ihm zugesteht. Seine weniger flexible Mimik ist es, die immer wieder zur Sprache kommt. Jedoch gibt es genug andere Schauspieler mit ähnlicher „Problematik“, die man weit weniger dafür abstraft. Wie so oft vermute ich auch hier die wohl beliebteste Triebfeder für derlei Hetze: Neid. Keanu Reeves ist ein zweifelsfrei verdammt gut aussehender Mann. Wer zwei Mal hinsieht, wird in seinem Gesicht noch mehr erkennen: eine zarte Saite, eine gewisse Verletzbarkeit. Er ist sensibel und trotzdem ein echter Kerl. Und jetzt, wo er Mitte 50 ist, gewinnt er sogar noch an Attraktivität dazu. Seine Rollen sind nun deutlich härter (John Wick) und in Interviews wirkt er inzwischen auch wesentlich entspannter.



Ich hoffe auf jeden Fall, dass er sein Glück gefunden hat und gönne ihm seine Privatsphäre. Aber bitte, Keanu, hör bitte nicht auf uns mit guten Filmen zu versorgen!

2 Kommentare 2.6.17 11:42, kommentieren

Kabel Deutschland: Wenn die Leitung mal wieder tot ist

Seit ca. 10 Jahren bin ich nun mit meinem Festnetz-Internet-Anschluss bei Vodafone. Etwa 6 Jahre davon war ich eine höchst zufriedene Kundin – die Verbindung war perfekt und komplikationslos. Doch dann geschah etwas furchtbares: Kabel Deutschland und Vodafone wurden EINS.

Für Außenstehende möglicherweise ein Gewinn – für betroffene Kunden ein Desaster. Zumindest, wenn man sich – so wie ich – hatte überreden lassen, den Vertrag und die Leitung (ehemals über Vodafone) nun über Kabel Deutschland laufen zu lassen. Seit dem ist nichts mehr wie es war. Die friedvolle Win-Win-Situation mit meinem Router – Vergangenheit! Seit dieser Zeit habe ich unentwegt Störungen in der Leitung, Internetausfälle, Internet- und Telefonausfälle und immer wieder eine fast provokativ langsame Leitung. Auf der Website www.allestörungen.de findet man zu Hauf wütende Nutzer, die tagelang von jeder weltlichen Verbindung abgeschottet sind und schier verzweifeln. Eine dortige Statistik zeigt (je Kalenderwoche) die störanfälligsten Netzbetreiber – allein die letzten beiden Wochen zeigen Vodafone auf Platz 1 – wen wundert´s.



Gut 20 Prozent der Kundenhotline musste mich schon am Telefon gehabt haben. Und immer wurde sich bemüht und versucht zu helfen. Doch leider ändert dies nichts an der gruseligen Netzqualität, die offenbar über das „Kabel“ laufend stärkeren Schwankungen unterliegt. Geradezu verbrecherisch sind die angeblichen kbit/s, die Geschwindigkeit, die man als Kabel-Internetkunde erhalten soll. Lt. meinem Vertrag surfe ich mit 100.000 davon durchs Netz. Das dies nicht stimmen kann, zeigt der regelmäßige „Speedtest“, den man auf Vodafone machen kann.

Mit Kabel Deutschland – kein Notruf möglich

Alles in allem verliert Vodafone mit Kabel nicht nur massenweise Kunden. Betagtere Kunden mit einem Kabel Deutschland Festnetzanschluss müssen gar auf einen Hausnotruf verzichten. Der Hausnotruf dient als eine Art „Notknopf“, der von zumeist älteren Menschen am Arm befestigt betätigt werden kann, sollten diese hinfallen oder sich in einer anderen Situation befinden, in der sie sich selbst nicht mehr helfen können. Ist der Knopf einmal gedrückt, kommt entweder direkt ein Krankenwagen oder auch erst einmal eine benannte Person, die einen Schlüssel besitzt um nachzusehen.

Damit der Knopf einwandfrei funktioniert, muss im Haus der Person ein Gerät am Festnetzanschluss installiert werden. Selbstredend, dass der Festnetzanschluss zu 100 Prozent funktionieren muss, da sonst kein Notruf gesendet werden kann. Daher verwundert es wenig, dass die Anbieter der Hausnotrufe davor zurückschrecken, ein Gerät an einem Vodafone / Kabel-Festnetzanschluss zu installieren. Die Ausfälle sind zu hoch – die Gefahr, dass der Notruf im Zweifelsfalle nicht ankommt, zu groß.



Vertragsangebote über Störhotline

Wirklich bemerkenswert erscheint mir das unerschütterliche Selbstbewusstsein, mit dem die Mitarbeiter für technische Störungen am Telefon versuchen, neue Vertragsabschlüsse zu generieren. Und das, obwohl der zumeist aufgebrachte Kunde sicherlich gerade ganz andere Dinge im Sinn hat. Ich für meinen Teil habe natürlich bereits gekündigt – muss allerdings noch bis nächstes Jahr warten. Auch das wird mir sicherlich eine Lehre sein – kein Vertrag mehr auf 24 Monate.

2.6.17 09:05, kommentieren

Mit Erziehungsmaßnahmen den Terrorismus beenden

Aus aktuellem Anlass überschlägt sich die Presse mal wieder mit Berichterstattungen zum Terrorismus. Was in Manchester geschehen ist, ist leider kein Einzelfall mehr. Allein in diesem Jahr gab es schon 32 Terroranschläge zu verzeichnen. Derjenige, der die „Liste aller Terroranschläge“ auf Wikipedia pflegt, hat einiges zu tun.


Und als es gestern mal wieder eine Sondersendung nach der anderen zum Thema gab, ist mir etwas eingefallen. Es ist so simple und offensichtlich, dass es mich wundert, bislang noch niemanden öffentlich darüber reden gehört zu haben.

Negativem Verhalten keine Aufmerksamkeit widmen?

In der Erziehung von Kindern plagt man sich mit so einigen Ratschlägen anderer herum. Da gibt es gute, als auch auch weniger gute, radikale als auch sanfte Erziehungstipps. Nicht nur aus der eigenen Familie – jedes Jahr erscheint eine neue Schwemme an (nutzlosen?) neuen Erziehungsratgebern. Je höher die Bildung der Autoren, desto mehr ist man geneigt, ihnen zu glauben. Und auch ich war einer dieser Mütter, die sich anfangs an solchen Büchern orientiert hat.

Nach vielen Jahren Erfahrung jedoch zeigt sich recht deutlich, welche Erziehungsregeln sinnvoll und sogar wichtig sind, und was man getrost vergessen kann. Eine dieser sinnvollen Regeln ist es: Widme negativem Verhalten keine Aufmerksamkeit. Beginnen die Kinder zu schreien, zu zetern, jagt ein Wutanfall den nächsten? Man tut sich selbst und dem Kind den besten gefallen, in dem man der Situation so wenig Aufmerksamkeit wie nur möglich schenkt. Sie werden sehen, dass dieses Verhalten recht schnell zurück geht. Dagegen hilft es, positivem Verhalten eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, um die Kinder darin zu bestärken.

Natürlich ist dies manipulativ, und ich für meinen Teil habe es auch nicht immer und bei allem eingesetzt. Dennoch ist es ein probates Mittel, nicht nur in der Kindeserziehung. Auch bei Tiertrainern und Tierpsychologen ist dies ein sehr simples und gut wirksames Mittel, um schlechte Verhaltensweisen „auszutreiben“.

Doch was hat das alles mit Terrorismus zu tun? Wer nicht schon selbst drauf gekommen ist: Dies lässt sich zu einem gewissen Teil auch darauf anwenden. Wie?

Eine große Triebfeder für Attentäter ist mehr und mehr die mediale Aufmerksamkeit, die ihnen zu Teil wird, wenn sie einen Anschlag verüben. Denn das System ist immer das gleiche: Geschieht etwas schlimmes, berichtet die Presse. Geschieht etwas richtig schreckliches, überschlägt sich die Presse mit Berichten auf allen Kanälen. Geschieht jedoch etwas positives? Wenn man Glück hat, wird darüber in einem 200-Zeichen-Abschnitt am Rande einer Tageszeitung berichtet. Da müsste es schon Euros vom Himmel regnen, damit die Presse es als „sensationell“ genug einstuft, um darüber zu berichten. Ergo: Die Presse lebt von Negativnews und widmet diesen ihre gesamte Aufmerksamkeit. So wie wir auch. Die Medien haben uns gut erzogen, denn ehrlich gesagt erwarten wir in den Nachrichten genau das: Mord und Totschlag, Attentate, Raubüberfälle und – wenn alles gut läuft – vielleicht noch ein peinliches Statement eines Abgeordneten.

Eine besser Welt IST möglich

Und auch wenn dies fast zu einfach ist um es wahr werden zu lassen. Und auch wenn es nach verträumten Utopien klingt. Was wäre nur, wenn die Presse und wir den positiven Dingen in unserem Leben MEHR Aufmerksamkeit schenken würden, als den negativen? Was wäre, wenn die Rettung eines Kindes aus einer Grube mehr mediale Zuwendung erfahren würde, als der durchgedrehte Angestellte, der seinen Chef und dessen Sekretärin erstochen hat? Was wäre, wenn die Attentäter durch ihre negativen Handlungen keine oder kaum noch Aufmerksamkeit erhalten würden?
Ganz sicher müssten sich die potentiellen Attentäter einen anderen Weg suchen, wenn sie gehört werden wollten. Und da die Welt bis dahin darauf geeicht wäre, sich dem positivem mehr zuzuwenden, als dem negativen? Vielleicht würden die heutigen Terroristen statt mit Bomben, dann eher mit großen Partys, Einladungen und konstruktiven Gesprächen verhandeln. Vielleicht gäbe es eine völlig neue Sicht auf das Leben und dessen, was es einem jeden von uns wert sein sollte.
Vielleicht würde dies nicht nur die Terroristen verändern, sondern viele von uns.



Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn dieser Gedanke, wie ein Pflänzchen in jedem von uns heranwachsen und die Welt ein kleines Stückchen verändern könnte.

24.5.17 12:22, kommentieren