Die Mir-geht’s-nicht-gut-Diät (Teil 2)

Nachdem Krisenzeiten als auch Zeiten von großer Freude, wie dem Verliebtsein, eine höchst effektive Möglichkeit des Gewichtsverlusts darstellen, sind beide Situationen jedoch teils schwer bewusst herbeizuführen. Während das Verliebtsein, wie bereits in Teil 1 beschrieben, mit etwas Fantasie und Vorstellungskraft eventuell noch selbst verursacht werden kann, sollte man im Falle von Krisen gar nicht erst daran denken, diese bewusst zu initiieren. Der Gewichtsverlust wiegt mögliche Folgen wie z. B. einer Depression oder Suizidgedanken bei Weitem nicht auf.
Doch welche „normalen“ Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion oder auch zum Halten des Gewichts gibt es noch, die wirklich funktionieren?


An dieser Stelle sei gleich gesagt: Es gibt so viele Diäten auf dieser Welt, wie es Tierarten gibt. Nahezu alle führen letztlich zu einem Gewichtsverlust, wenn man sich daran hält. Die Frage ist nur immer, welche davon hält man (auch dauerhaft) durch.
Ich habe sicherlich nicht alle Diäten und Ernährungsweisen dieser Welt probiert noch studiert. Aber nach einer überschaubaren Menge an Diät-Versuchen kann ich doch zumindest zwei Diäten / Ernährungsweisen als durchaus lebbar und alttagstauglich bezeichnen und daher durchweg empfehlen:



Die Low-Carb-Diät bzw. -Lebensweise


Jahrelang ging es um „Low Fat“, bis Studien zeigten, dass Menschen, die Fett reduziert und dafür mehr Kohlenhydrate aßen, ein erhöhtes Sterberisiko aufwiesen. Auch empfahl man viele Jahre wider besseren Wissens Diabetikern, ihre Ernährung mit mindestens 50 bis 60 Prozent aus Kohlenhydraten zu bestreiten. Wider besseren Wissens, weil Typ-1-Diabetiker Insulin benötigen, welches aber nahezu ausschließlich zur Verarbeitung von Kohlenhydraten benötigt wird. Je weniger Kohlenhydrate, je weniger Insulin muss verabreicht werden, was viele gesundheitliche Vorteile birgt. Bei Typ-2-Diabetikern kann das fast vollständige Vermeiden von Kohlenhydraten dazu führen, dass sich die Bauchspeicheldrüse wieder erholt und die ehemaligen Diabetiker wieder völlig gesunden. Dieser Effekt ist nicht nur auf die Low-Carb-Lebensweise, sondern auch auf den damit fast immer verbundenen Gewichtsverlust zurück zu führen.


Inzwischen ist die Low-Carb-Diät mit die häufigste Ernährungsweise Hollywoods und anderen Menschen der Öffentlichkeit, für die eine schlanke Figur unerlässlich ist.



Ganz praktisch betrachtet, wird bei Low-Carb einfach der Kohlenhydratanteil der Ernährung weitestgehend reduziert. Kohlenhydrate sind vor allem in Getreideprodukten (Brot, Brötchen, Kuchen, Nudeln), Kartoffeln, Reis, Obst und Zucker enthalten. Aufgrund der Popularität der Lebensweise, bedeutet dies aber erfreulicherweise nicht mehr grundsätzlich, einen großen Verzicht hinnehmen zu müssen. Inzwischen gibt es Eiweißbrot, Eiweißnudeln und kohlenhydratarme oder auch –freie Zuckerersatzstoffe, die es ermöglichen, viele altgewohnte Gerichte mit Ersatzlebensmitteln zuzubereiten. Damit wäre auch schon der große Vorteil beschrieben, denn bei Low-Carb muss man – einmal umgestellt – nicht auf vieles verzichten und nimmt dennoch ab.



Ich habe 2 Jahre lang nach Logi gelebt und nahm ab und konnte dann mein Gewicht lange halten. Aufgrund verschiedener Faktoren jedoch, kam ich dann ins Schludern (Tochter kam in Pubertät, aß plötzlich nur noch Nudeln und Reis… grrr).
Wer die Diätform noch nicht kennt und nun Blut geleckt hat, dem möchte ich folgende Bücher empfehlen:


Das große LOGI-Kochbuch


Schlank mit Low-Carb




Das 16/8 Intevallfasten

Diese „Diät“ ist eigentlich so einfach umzusetzen, dass es schon fast zu viel wäre, mehr als zwei Sätze dazu zu schreiben. Denn kurz gesagt fastet man 16 Std. am Stück und isst nur in den restlichen 8 Std. des Tages. Um es an einem praktischen Beispiel fest zu machen: Man fängt morgens um 9 Uhr an zu essen und nimmt die letzte Mahlzeit um 17 Uhr zu sich. Die einzige Herausforderung ist es dann nur noch, bis man ins Bett geht, nichts mehr zu sich zu nehmen (von Wasser oder Tee abgesehen).
Dies birgt viele, auch wissenschaftlich bereits bestätigte, Vorteile für den Körper:

• Der Insulinspiegel im Blut sinkt so stark ab, dass die Fettverbrennung erleichtert wird.
• Der Blutspiegel des Wachstumshormons HGH erhöht sich um das 5-fache und erleichtert damit die Fettverbrennung und den Muskelaufbau und hat zahlreiche weitere Vorteile.
• Die zelluläre Reparatur wird angekurbelt und hilft somit, Gifte und Abfallstoffe aus dem Körper zu schleusen – im Grunde wirkt das Fasten wie eine Tiefenreinigung für den Körper.


Ganz nebenbei verliert man fast immer automatisch Gewicht und muss zunächst auf nichts verzichten. Wenn man sich allerdings in der Zeit, in der man Essen kann, auch noch gesund ernährt, verliert man noch schneller an Gewicht und kann dieses später auch besser und länger halten.


Ich habe bisher absichtlich vermieden zu schreiben, dass Sport beim Abnehmen hilft. Sport hilft bei nahezu jedem Problem: Krebs, Rheuma, Diabetes, Mukoviszidose, Depression, Angstzustände etc. Sport ist nachweislich immer, immer gut. Und daher natürlich auch beim Abnehmen förderlich. Doch nicht jeder kann und mag Sport machen. Deshalb funktionieren die hier angeführten Diäten auch bei wenig Bewegung.

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ich persönlich probiere gerade das Intervallfasten und komme gerade ganz wunderbar damit klar. Sollte ich doch mal später essen müssen, dann strecke ich die Zeit eben am nächsten Morgen noch etwas und esse dann erst wieder um 10 oder 11 Uhr. Manchmal ist es schon eine Herausforderung, weil mein Körper hin und wieder trotzdem schon um 7 Uhr oder 8 Uhr morgens essen will. Ich gebe ihm dann aber „zur Beruhigung“ Tee. Und nochmals Tee. Und dann geht es wieder.


Gerne werde ich berichten, wie weit ich damit gekommen bin.
Allen anderen wünsche ich auf dem Weg zum Gewichtsverlust ganz, ganz viel Erfolg. Und Leute – egal, für was ihr euch entscheidet – quält euch nicht! Es ist schon schlimm genug für den Körper, Gewicht zu verlieren. Denn Kilos gibt er evolutionär bedingt nur äußerst ungern her. Diesen Widerstand spüren viele, sowohl körperlich als auch psychisch. Daher sollte eine Diät einem wirklich zusagen.

3 Kommentare 28.11.19 11:17, kommentieren

Die Mir-geht’s-nicht-gut-Diät (Teil 1)

Schon seit einem Jahr stören mich gut 3 – 4 Kilo, die sich über die letzten Jahre heimlich und geradezu hinterhältig in meinen Körper geschlichen haben. Wenn man erst mal über 40 ist, kommen sie: ungefragt und auf leisen Sohlen. Natürlich kommen sie nicht von ungefähr. Denn zeitglich zu der immer schlapper werdenden Stoffwechsellage, gesellen sich mit Anfang 40 auch schon die ersten Hormonumstellungen mit (immer länger werdenden) Phasen von Fressanfällen und noch weniger Zeit für Sport und co. dazu. Kurz gesagt: Einer Gewichtszunahme scheint man (zunächst) kaum etwas entgegensetzen zu können.



Was also soll man tun, um das Schlimmste zu verhindern?
Natürlich ist es etwas übertrieben vom „Schlimmsten“ zu sprechen, wenn es darum geht, übergewichtig zu werden. Aber ganz ehrlich – wer will das schon. Wir alle wünschen uns doch, auch und gerade wenn wir älter werden, so lange als möglich attraktiv und gesund zu bleiben. Auf das Gewicht zu achten gehört daher einfach dazu. Das heißt nicht, dass man auf ewig so schlank wie Claudia Schiffer bleiben oder sein muss. Aber auch nicht, dass man unbedingt wie Melissa Mc Carthy endet. Erschwerend kommt hinzu, dass laut neuesten Erkenntnissen Frauen ab den Wechseljahren rund 400 Kcal am Tag weniger verbrauchen (!). Dieses neue Wissen erklärt natürlich vieles und zeigt auch, was es für eine Selbstkasteiung bedeuten muss, wenn man trotz dieses wenigen Verbrauchs und den anderen Veränderungen, die mit den Wechseljahren einhergehen, noch schlank bleibt.
Viele Hollywoodstars leben es auf schmerzliche Weise vor. Bestes Beispiel dafür: Gwyneth Paltrow. Die stets dünner werdende Hollywood-Schauspielerin machte aus der Not eine Tugend und lebt, neben ihrem Einkommen aus Filmen, ganz prächtig von der Verbreitung ihrer Ernährungsphilosophie. Diese wäre kurz gesagt der Verzicht auf alle Getreideprodukte, Kartoffeln, jegliche Form von Zucker, Obst, Milch- und Sojaprodukte und Fleisch. Im Grunde lebt die Gute ausschließlich von fettfrei gegartem Gemüse, etwas Fisch und in Wasser eingelegten Mandeln. Christiane Hörbiger, das österreichische Schauspieler-Urgestein, hingegen beteuerte erst kürzlich schon seit Jahren nur noch 1 x am Tag zu essen. Und zwar einen Salat.
Wer bei diesen News nicht depressiv wird, hat die tiefere Nachricht, die uns diese Damen vermitteln wollen, nicht verstanden. Denn diese lautet kurz und prägnant: Iss fast nichts mehr und Du bleibst schlank.
Aber um Himmelswillen: Wer will das schon? Es muss doch andere Wege geben!

Wie bleibt man oder wird man denn nun wirklich schlank?
Könnte ich diese Frage mit ein paar Sätzen beantworten, wäre ich vermutlich die reichste Person auf Erden. Denn während in der Antike oder der Renaissance mollige Frauen noch geschätzt und als schön befunden wurden, entscheidet heute mehr denn je die Körperfülle über den gesellschaftlichen Status. Man kann schon fast sagen, dass schlank und gesund zu sein sogar noch über Reichtum steht. Wer sich daher im großen Stil nach der Anerkennung der breiten Öffentlichkeit sehnt, ist einfach alles. Schlank, sportlich, gesund und reich. Zurück zum Thema und der eigentlichen Frage, wie man denn nun sein Gewicht halten kann. Im Grunde weiß ich noch nicht recht, ob ich eine finale Lösung gefunden habe, denn schließlich befinde ich mich noch am Anfang der 40 und damit in einer ernährungsphilosophischen Findungsphase. Und dennoch habe ich, über die letzten 20 Jahre, einiges an Möglichkeiten des Gewichtsverlusts kennengelernt und erfahren.

Die Krise
Dem effektivsten Weg habe ich auch den Namen des Artikel gewidmet, wenngleich dieser nicht (unbedingt) durch das eigene Tun herbei gezaubert werden kann: die Krise. Eine psychische Krise ist (zumindest bei mir) der absolut effektivste Weg abzunehmen. Denn hier setzt aufgrund einer heftigen Situation (Verlust, Trennung, Depression etc.) ein natürlicher Appetitzügler ein und sorgt, ohne dass man darunter bewusst leiden würde, für einen schnellen und heftigen Gewichtsverlust. Positiv betrachtet kann man sich, auch wenn man inmitten einer fürchterlichen Krise steckt, zumindest über den Gewichtsverlust freuen. Negativ daran ist sicherlich, dass man für den Gewichtsverlust einiges an seelischen Leids verkraften muss. Und was mich betrifft, so bleibe ich lieber an ein paar Kilo mehr kleben, als in die nächste Depression zu stürzen.

Das Verlieben
Das Positiv-Pendant zur Krise ist ebenfalls höchst effektiv. Denn flattert es im Bauch und kribbelt es im Herzen, ist Essen oftmals das Letzte, woran man seine Gedanken verschwendet. Die Hormone schießen nur so durch den Körper und alles fühlt sich leicht und gut an. Sich zu verlieben ist sicherlich eine sehr schöne und positive Weise, um sein Gewicht zu regulieren. Mit viel Fantasie und etwas Zeit kann man den Zustand des Verliebtseins sogar selbst herbeiführen, auch wenn gerade kein realer Partner zur Verfügung steht. Wie man den Zustand „künstlich“ erreicht?
Man sehe sich einen Liebesfilm an. Am besten einen, den man entweder schon kennt oder einen, in dem ein Schauspieler, für den man bereits etwas übrig hat, eine Hauptfigur spielt. Fühlt man sich von der Story mitgerissen und fühlt ebenfalls ein seichtes Kribbeln im Magen heißt es, das Gefühl noch weiter zu intensiveren. Seht euch den Film am besten gleich im Anschluss nochmal an, oder auch einfach nur die schönsten Szenen. Und wann immer es geht, setzt euch die Kopfhörer auf, hört Musik und stellt euch vor, wie ihr eine romantische Beziehung mit der Hauptfigur führt. Dies erfordert etwas Zeit und Vorstellungskraft – aber, wenn ihr es schafft, habt ihr einen gesunden und ganz natürlichen Appetitzügler selbst hervorgerufen.
>> Teil 2 folgt am 30. Oktober. Nicht verpassen und Beiträge über joslin.de.lynn@gmx.de abonnieren. Stichwort: joslin.myblog Abo.

3 Kommentare 15.10.19 13:26, kommentieren

Die Höllenfahrt durch die Hitzewelle

Nicht nur aus einem Umweltaspekt heraus, sondern vielmehr, um der eigenen Figur keinen Anlass zu geben, Gewicht zuzulegen, fahre ich – wann immer möglich – mit dem Fahrrad. Zu meiner Arbeitsstelle sind es etwa 15 km. Wenn man die Hauptstraßen meiden und lieber naturnahe Wege durch Parks und andere Grüngelände nehmen möchte, sind es auch manchmal 19 km.

Und wenngleich ich die Strecke auch nicht täglich mit dem Fahrrad fahre, sondern auch manchmal mit meiner alten Ratterkiste von Auto zurücklege, würde ich sagen, dass ich ganz gut in Form bin.
Doch was diesen Mittwoch geschah, hätte ich nicht geglaubt, wäre es mir nicht selbst passiert.

Auf dem Rückweg nach Hause gegen 14 Uhr begann nach etwa 15 Minuten mein Kopf zu klopfen. Mit jedem Herzschlag vernahm ich ein schmerzhaftes Pochen inmitten meines Schädels und eine plötzliche Übelkeit nahm mir fast den Atem. Und während ich mich zusammenriss, um möglichst schnell aus der Sonne und hinein in den nächsten Schatten zu fahren, wurde mir bewusst, dass es die Hitze war. Nach mehreren kleineren Anstiegen erhitzte sich mein Körper, was jedoch an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit mit tatsächlichen 38 Grad Hitze, offenbar zu einem Hitzestau führte.

Nach weiteren 10 Minuten ging es mir so schlecht, dass ich auf einer vielbefahrenen Straße anhielt, da auf dem dreckigen Gehweg daneben ein kleiner Schatten lag. Ich stieg ab und kauerte mich in das kleine, schattige Eck – wartend darauf, dass sich mein Körper abkühlen und es mir besser gehen würde. Nach weiteren schier unendlichen 10 Minuten dann war klar, dass dies zwar die Spitze nahm, aber keine echte Erholung bot. Ich musste also sehen, dass ich mich den Rest der Wegstrecke (noch gut 8 km) weder groß anstrengte, noch in der Sonne fuhr. Also ging ich in den zweiten Gang, ließ das Rad, so gut es ging, rollen und fuhr von Schatten zu Schatten, so klein diese auch waren. Nach etwa 4 km tat sich vor mir eine längere Strecke, vielleicht 400 Meter an der Hauptstraße auf, die keinerlei Schatten bot. Nicht einmal einen Fuß breit. Im letzten Schatten wartend, überlegte ich ernsthaft, mir ein Taxi zu rufen. Es war vollkommen verrückt, aber ich spürte, dass mein Körper auch nur die nächsten 200 Meter unter der sengenden Sonne nicht mehr tolerieren würde.

Inzwischen liefen mir tatsächlich die Tränen, weil ich mich selten so schlecht fühlte, wie in diesem, einen Moment. Mein gesamter Kopf pochte inzwischen und schmerzte; meine Glieder waren schwach, als könne ich nicht zwei Schritte voran gehen und mein Magen krampfte. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, was sicherlich mit ein Hauptgrund für die ausweglose Situation war.

Also wartete ich und überlegte. Nachdem die Bedingungen nicht zu ändern waren, so dachte ich mir, müsste ich also meine Einstellung zu diesen ändern. Und so stellte ich mir vor, ich stände in der Wüste und es ginge um Leben und Tod. Würde ich stehen bleiben, wäre mir der Tod sicher. Ich würde also weitergehen müssen, weiter, bis sich vielleicht irgendwann eine rettende Siedlung oder Karawane fände. Und so probte ich also den Ernstfall, biss die Zähne zusammen und stieg schließlich in die Pedale. Mit der allerletzten mir dargebotenen Kraft, radelte ich um mein Leben, um so schnell als möglich zur nächsten, schattigen Mauer zu gelangen, wo ich mich sofort wieder ausruhen würde.

Doch ich ruhte mich nicht aus. Stattdessen fuhr ich ganz langsam in den Schatten. Wie ein Vampir, mied ich auch nur den kleinsten Sonnenstrahl und sagte währenddessen alle mir bekannten Handy- und Festnetznummern auf, die mir in den Sinn kamen.

Doch da, erneut tat sich die nächste Hürde auf: Ich würde noch zwei recht knackige Anstiege meistern müssen, wollte ich irgendwie nach Hause kommen. Um diesen zu entkommen, müsste ich jedoch weitere 2,5 km in kauf nehmen müssen; weitere, unerträgliche Minuten, die ich länger bräuchte, bis ich zu Hause wäre. Und doch nahm ich schlussendlich den längeren Weg in kauf und fuhr inzwischen am ganzen Körper zitternd die Schlossmauer entlang. Immer wieder durchfuhr ich sonnige Abschnitte, die nicht nur von oben sondern auch von unten Hitze abstrahlten. Das Atmen fiel mir schwerer und schwerer und mit allerletzter Kraft, gelangte ich an einen See, der ganz in der Nähe meiner Wohnung liegt. Ich stieg ab, ging in diesen mit Schuhen hinein und schöpfte das Wasser ab, um es zu trinken.

Dazu muss man sagen, dass es kein richtiger See ist. Es ist ein künstlich angelegter „Teich“, der eine nahe gelegene Burg ziert und nicht viel mehr. Man darf weder hinein, noch – im Winter – darauf Schlittschuh fahren. Er ist einfach nett anzusehen. Aber, an diesem besonderen Tag, war mir das völlig egal. Es war mir auch egal, ob das Wasser vielleicht nicht gut für mich wäre. Und auch die vielen entsetzten Gesichter waren mir egal. Ich blieb so lange darin stehen, bis die Kälte des Wassers an meinen Füßen meine Überhitzung linderte und mein Kreislauf aufgrund des zugeführten Wassers wieder einigermaßen funktionierte.

Danach stieg ich wieder aufs Fahrrad, noch immer wackelig auf den Beinen, und fuhr so langsam als möglich die letzten 2 km am schattigen Wegesrand bis nach Hause.

Dort angekommen, stieg ich entgegen meiner Gewohnheit, direkt in den Aufzug und ließ mich bis vor meine Wohnungstür fahren. Dort angekommen, riss ich mir förmlich alle Kleidung vom Leib, setzte mich in die Badewanne und machte dort weiter, wo ich am Burgteich zuvor angefangen hatte. Ich ließ kaltes Wasser ein, kühlte mich ab und trank, so viel ich konnte. Danach legte ich mich völlig erschöpft auf die Couch und schließ erst einmal fast 2 Stunden, bevor mich meine Tochter aufweckte.

Natürlich hätte ich bereits den Vormittag zuvor viel mehr trinken müssen und, natürlich hätte ich mir etwas zu trinken mitnehmen müssen. Aber dies allein war nicht schuld an diesem „Höllentrip“, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Insofern kann ich nur jeden, der zur aktuellen Hitzewelle sportliche Ambitionen hat, eindringlich warnen, diesen nachzugehen. Wartet ab, bis es kühler wird! Und trinkt das Doppelte von dem, was ihr bisher getrunken habt (und damit meine ich Wasser)

Eure Joslin

6 Kommentare 25.7.19 23:34, kommentieren

Freundliche BMW-Fahrer: Wirklich?

Heute ist es doch tatsächlich geschehen. Ich möchte fast sagen, ein Wunder hat sich vor meinen Augen offenbart, als ich heute Nachmittag nach Hause fuhr.


Auf dem gewohnten Weg gibt es eine Stelle, an der man leider „einfädeln“ muss und darauf angewiesen ist, dass ein Autofahrer hält und einen in die Lücke hineinlässt. Täglich fahre ich die Strecke nun schon seit fast 7 Jahren. Dabei kann ich auf eine entsprechende Statistik zurückblicken, die ich mir über die Zeit selbst gebildet habe. Diese sieht in etwa so aus:


Autofahrer, die mich vor sich hineinfahren lassen:
1. Nicht-Münchner
2. Fahrer in gebrauchten Wägen (aber gepflegt)
3. LKW-Fahrer


Autofahrer, die mich so gut wie nie vorgelassen haben:
1. BMW-Fahrer
2. Frauen
3. PKW-Fahrer mit Münchner Kennzeichen
4. PKW-Fahrer in PKWs die mind. 80.000 € gekostet haben
5. PKW-Fahrer mit gebrauchten aber abgranzten Wägen (mit ausländischem Fahrer; nicht rassistisch gemeint!)


An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Statistik in keinster Weise sarkastisch oder gar zynisch gemeint ist. Es ist lediglich eine nüchterne Beobachtung einer wiederkehrenden Situation. Doch heute geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Diesmal zusammen mit meiner Tochter fuhren wir Richtung Heimat, als wir an der gewohnten Stelle stehen blieben, um links in die Hauptstraße einbiegen zu wollen. Ich setzte den Blinker und wartete, auf das die wenige Meter entfernte Fußgänger-Ampel betätigt wurde, und die entlangfahrenden Autos so und so halten müssen. Und da ergibt es sich normalerweise, dass uns jemand hineinlässt. Und heute, um 17:53 Uhr Ortszeit blieb ein weinroter BMW Z4 Roadster stehen und betätigte die Lichthupe.


Ich, die Lichthupen von BMWs eigentlich nur hinter sich kennt und das meist kurz bevor ein riskantes Überholmanöver folgt, zuckte zunächst zusammen. Sofort kam die Frage in mir auf, was ich wohl falsch gemacht haben könnte? Vielleicht funktionierte mein Blinker nicht einwandfrei? Vielleicht blockierte ich aber auch den Fahrer darin, selbst in meine Straße einbiegen zu wollen?


Ein innerer Stress begann sich auszubreiten. Mein Herz setzte sogar zwei Mal kurz aus, und meine Hände begannen augenblicklich zu schwitzen. Je mehr ich darüber nachdachte, desto stärker wurde das Gefühl, der Mann täte mir unrecht. Warum auch immer. Kurz war ich davor auszusteigen und ihm „Waaaaaaas?? Was ist? Kann und darf ich hier nicht mal in Frieden blinken??“ zuzurufen, als ich beobachtete, wie der Fahrer mir im Innern mit seiner Hand den Weg vor sich in die Lücke wies. Ein freundliches Hineinwinken. Völlig irritiert schüttelte ich einen Moment lang den Kopf, so als ob dies nicht sein könne, als ob in einem perfekten Bild ein Fehler wäre, den ich aber noch nicht so recht ausmachen konnte. Doch als er weiterhin wartete, setzte ich den ersten Gang ein und fuhr ganz langsam vorwärts.


Inzwischen blickte auch meine Tochter auf, die bis dahin mit ihren Gedanken als auch mit ihren Fingern in und an ihrem Handy hing. „Moment, das ist doch ein BMW, oder?“, fragte sie, als ich ungewohnt langsam vor den BMW-Fahrer fuhr, immer noch angespannt und in der fast zwanghaften Erwartung, gleich würde etwas geschehen.


Doch, als ich vor den Mann bog und ordentlich Gas gab, um nicht am Ende doch noch eine weniger freundliche Lichthupe zu kassieren, da wurde es mir offenbar: Es gab sie. Es existierten freundliche BMW-Fahrer – und das sogar noch, mit einem Münchner Kennzeichen. Auf der Weiterfahrt diskutierten meine Tochter und ich darüber, ob der Mann vielleicht gar nicht aus München käme, und den Wagen nur geliehen hatte? Vielleicht war es auch Mechatroniker, der den Wagen nur zu seinem Besitzer zurückfuhr? Wir werden es wohl nie erfahren.




Trotzdem: Das heutige Ereignis gibt Hoffnung, Hoffnung auf eine Welt mit dem ein oder anderen freundlichen BMW-Fahrer.

4 Kommentare 22.7.19 20:53, kommentieren

Kieferorthopäden: Wenn Geschäftstüchtigkeit vor Gesundheit geht

Was haben Zahnärzte und Schonheitschirurgen gemeinsam? Sie stehen unter dem Generalverdacht, mehr aus ihren Patienten herausholen zu wollen, als manchmal notwendig wäre. Dem geht eine über Jahrzehnte gehende Historie voraus, mit Fällen von geprellten oder gar entstellten Patienten. Gerade Zahnärzte haben mitunter Patienten Inlays oder Zahnkronen angediehen, die diese (noch) gar nicht benötigt hätten. Ferner gibt es eklatante Unterschiede in Preis und Qualität, was abermals Möglichkeiten der kreativen Preisgestaltung lässt. Interessanterweise stehen Kieferorthopäden, die reichen Brüder und Schwestern der Zahnärzte, indes nur selten im Fokus der Öffentlichkeit, wenn es darum geht, ob man unnötige Behandlungen empfiehlt und / oder durchführt. Und das, obwohl diese Ärzteschaft das Herausholen des maximalen Gewinns aus jedem Patienten geradezu perfektioniert hat.

Kieferorthopädie: Es gibt keinen perfekten Mundraum
Während also die Zahnärzte den „sanften Betrug“ am Patienten eingeführt haben und aufgrund negativer Publicity vielerorts wieder zur ehrlichen Behandlung zurückgerudert sind, machten die Kieferorthopäden eine noch durch die Krankenkassen finanzierte, legale und etablierte Praxis daraus. Denn, es gibt keinen Patienten, in dessen Mundraum nichts gemacht werden könnte. Die Frage, die viel wichtiger wäre nämlich, ob eine Behandlung unbedingt notwendig ist, wird stets mit einem Wort beantwortet: Ja.


Das dem natürlich nicht so ist sagt schon der gesunde Menschenverstand. Natürlich gibt es sie, die Härtefälle, die extremen Überbisse, die Deformationen, die Menschen, deren Äußeres von einer kieferorthopädischen Behandlung extrem profitiert. Die dadurch vielleicht ein neues Selbstwertgefühl erhalten. Doch sicher benötigen nicht 50 Prozent aller Kinder- und Jugendlichen in Deutschland eine Gebisskorrektur, was allerdings eine neue Statistik zu Tage gebracht hat.

Dr. med. dent. Henning Madsen, selbst Kieferorthopäde in Ludwigshafen, kritisierte dies unlängst in einem umfassenden Artikel der ZWP. Er beobachtete, dass viele seiner Kollegen beschwerdefreien Kindern und ihren Eltern eine kostenintensive Therapie mit hohen Zuzahlungen geradezu aufdrängen. Es wäre nicht nachvollziehbar, dass die Hälfte der deutschen Kinder behandlungsbedürftig schiefe Zähne hätte, während es in Schweden nur 27 Prozent sind. Weiter sagt er, das ein gesundheitlicher Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen gering und spekulativ wäre, da die Therapie auf mögliche, in der Zukunft liegende Gebissprobleme abzielt.

In der Praxis wird man kaum einen Kieferorthopäden finden, der dem eigenen Kind, obwohl mit völlig gesundem und normalen Gebiss ausgestattet, nicht doch eine Zahnkorrektur nahe legt. Interessant sind zudem die fast kriminell anmutenden Praktiken, mit denen versucht wird, schnellstmöglich Eltern und die Münder ihrer Kinder an die eigene Praxis zu binden. Ob das die Eltern überhaupt wollen oder nicht.



Der Kieferorthopäden-Knebelvertrag – die lukrative Langzeitbindung ohne Schlupfloch und Unterschrift
Aus eigener Erfahrung mit meiner Tochter und nun insgesamt vier Kieferorthopäden ist mir klar geworden, dass die freie Wirtschaft neidisch wäre, wenn sie wüsste, auf welche Weise Kieferorthopäden ihre Patienten binden. Hierfür ist nicht einmal eine Unterschrift nötig. Folgende Fehler sollte man daher nicht begehen, wenn man drüber nachdenkt, sein Kind auch nur zu einer ersten Einschätzung zum Kieferorthopäden zu bringen.

1. Keine Abdrücke, kein Röntgen, keine Fotos beim ersten Besuch!
Wenn man, wie ich, einen Termin bei einem Kieferorthopäden ausgemacht hat, um eine erste Meinung zum Gebiss der eigenen Tochter zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, der Arzt sieht sich den Mundraum genauer an und gibt daraufhin seine Meinung ab. Dieser Schlag von Kieferorthopäde ist selten, aber noch existent und bekäme jetzt schon einmal einen Vertrauens-Vorschuss. Oder er sagt, er müsse zunächst mal Aufnahmen und Abdrücke machen, da er sich sonst keine Meinung bilden könne. Hier gilt es gleich Stopp zu sagen. Warum? Wenn der Kieferorthopäde dies macht, erstellt er – ohne Ihnen dies mitzuteilen – automatisch einen Behandlungsplan und schickt diesen an Ihre Krankenkasse. Sollte Ihnen dann nach eingereichtem Vertrag (ein oder zwei Tage nach dem Infogespräch) einfallen, dass sie mit der geplanten Behandlung gar nicht einverstanden sind oder sich eine Zweitmeinung einholen wollen, haben Sie Pech gehabt. Ein Wechsel zu einem anderen Kieferorthopäden ist zwar denkbar, in der Praxis ab diesem Zeitpunkt aber fast nicht möglich. Wir haben mehrere Monate gesucht, um zu wechseln, da kaum eine Praxis eine Übernahme machen möchte. Bei Privatpatienten ist dies anders, da der neue Arzt hier erneut Aufnahmen machen darf und es sich hier auch für die Praxis wieder lohnt.Man kann es daher nicht oft genug sagen: Sind Sie sich nicht sicher, ob sie eine Behandlung und wenn ja, bei diesem Behandler durchführen möchten – verhindern Sie auf jeden Fall, dass dieser Abdrücke, Fotoaufnahmen oder sonstige Aufnahmen von Ihrem Kind macht und beharren Sie auf eine erste Einschätzung aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes.
Aufnahmen = Vertragsabschluss!

2. Achtung vor Zwischengesprächen – erneute Bindung möglich
Sollten Sie sich tatsächlich zu einer Behandlung entschlossen haben, wird es irgendwann ein Zwischengespräch geben. Hierzu muss man wissen, dass kieferorthopädische Behandlungen bei der Krankenkasse eingereicht werden müssen, und diese meist über 1 – 2 Behandlungsjahre gehen. Danach müsste ein neuer Behandlungsplan eingereicht werden. Dies geschieht – wie bereits am Anfang- zumeist ohne, dass Sie als Eltern davon erfahren. Stattdessen erfolgt ein Gespräch über die Behandlung und was die Praxis als nächstes vorschlagen würde. Und noch während sie ein paar Tage zu Hause darüber nachgrübeln, ob das eine Option für Sie oder Ihr Kind ist, hat Ihr Behandler meistens den Antrag bereits verschickt und Ihre Krankenkasse nicht selten auch schon freigegeben. Auch hier gilt: Gibt es ein Gespräch über das weitere Behandlungsprozedere, sagen Sie deutlich, dass Sie sich jetzt noch nicht entscheiden möchten, ob Sie dies so wollen und Sie wünschen, dass die Praxis keinen Antrag an die Krankenkasse schickt, bis Sie sich entschieden haben.

3. Wie lange geht die Behandlung? Wann ist sie abgeschlossen?
Wer eine kieferorthopädische Behandlung bei seinem Kind machen lässt, lässt sich oftmals unbemerkt auf eine sehr lange Partnerschaft ein. Denn eine Behandlung ist erst dann abgeschlossen, wenn ihr Kieferorthopäde das möchte. Es gibt genügend Fälle, wo Kinder über viele Jahre, noch bis zum 18. Lebensjahr, eine Spange tragen „müssen“, da der zuständige Behandler nicht gewillt ist, die Behandlung abzuschließen. Wenn Sie nach sachlichen Argumenten suchen, werden sie meist nicht wirklich fündig. Stattdessen läge es am (gerade bei losen Spangen) Kind selbst, dass die Spange zu selten tragen würde. Leider ist dies häufig Usus, weil man versucht die Behandlung, die ja im Kindesalter bis zum 18. Lebensjahr mehr oder weniger klaglos durch die Kassen bezahlt wird, bis zum letzten Tag auszukosten.Wenn Sie sich jetzt fragen, warum es ein wichtiger Punkt ist zu wissen, wann eine Behandlung endet, möchte ich Ihnen folgendes sagen: Sind Sie Kassenpatient, müssen Sie für jedes Mal, dass Ihr Kind beim Kieferorthopäden ist (auch bei Kontrollterminen) 20% der Rechnung selber tragen. Sie erhalten also innerhalb der gesamten Zeit unzählige Rechnungen, was sich über die Jahre bis zu mehreren Hundert Euro summieren kann. Sie erhalten dieses Geld jedoch zurück, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde. Wie Sie sehen, begeben Sie sich mit einer kieferorthopädischen Behandlung auch unbemerkt in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem behandelnden Arzt. Denn nur, wenn er Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn eine erfolgreiche Behandlung attestiert, sehen Sie Ihr Geld wieder. Nur, was passiert, wenn der Arzt einfach keinen „erfolgreichen Abschluss“ attestieren will? Denn im Rahmen des beantragten Zeitraums hat er jedes Recht dazu, die Behandlung nicht enden zu lassen.Davor schützen kann Sie im aktuellen Rechtsystem leider niemand. Ich rate jedoch Eltern, sich – bevor sie eine Behandlung beginnen – genauestens über die Länge dieser und die Kriterien zu informieren, die für einen „Erfolg“ sprechen. Lassen Sie sich dies schriftlich geben! Nur so können Sie sich im Zweifel wehren.

Es ist nicht nachzuvollziehen, dass Kieferorthopäden hierzulande ohne die schriftliche Zustimmung der Eltern einen Vertrag über die Krankenkassen schließen können. In jedem anderen Berufsstand wäre dies illegale Praxis und würde vor Gericht verhandelt werden. Wer also eine Behandlungs-Beziehung mit einem Kieferorthopäden eingeht, sollte sich daher absichern, in dem er selbst entsprechende Schriftstücke aufsetzt. Es wäre wünschenswert, die Krankenkassen würden, auch in ihrem eigenen Interesse, die Eltern mehr mit einbeziehen. Der Behandlungsplan über Umfang, Inhalt und Dauer sollte so, wie er an die Krankenkassen geht, auch von den Eltern gelesen und unterschrieben werden müssen. Und zu guter Letzt sei noch gesagt: Holen Sie sich auf jeden Fall immer zwei, oder besser drei Meinungen ein. Lassen Sie anfangs zunächst bei niemandem Aufnahmen machen – nur so haben Sie am Ende die freie Wahl. Und erst dann, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass der Arzt und die vorgeschlagene Behandlung das Beste für Ihr Kind sind, erst dann lassen sie entsprechende Aufnahmen machen. Und – falls es Sie, wie uns, erwischt hat und sie in einer unnötigen oder viel zu langen Behandlung feststecken – wehren Sie sich! Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse und suchen Sie sich einen anderen Behandler, auch wenn es aufwändig ist. Aber, lassen Sie sich dies nicht gefallen.
Alles Gute.

1 Kommentar 28.6.19 19:56, kommentieren

Soziale Berufe: Die Superstars der Arbeitswelt?

Erzieher und Sozialpädagogen sind – man hätte es nicht für möglich gehalten – die am meist gesuchtesten und am aktuell schwierigsten zu besetzenden Stellen. Vor ein paar Jahren sah dies noch anders aus. Man erinnere sich an die Zeiten, als man insbesondere über arbeitslose Sozialpädagogen spottete. Der Berufswunsch per se legte bereits eine gewisse Bereitschaft für die Zu-Arbeit in der Gastronomie oder als Taxifahrer nahe. Und auch das äußere Bild eines sozial Engagierten hatte häufig einen Hauch von Birkenstock mit Öko-Frisur-Flair. Spätestens jedoch seitdem immer mehr Mütter nach einer Vollzeit-Betreuung für ihre Kinder verlangen und mit viel Karrierebewusstsein die Betreuungs- und Erziehungsarbeit gern in die Hände von Fachleuten legen, ist der Bedarf weitaus größer als das Angebot. Doch nicht nur Erzieherinnen oder Erzieher sind begehrt wie nie zu vor. Soziale Berufe im Allgemeinen gehören nun zu den gefragtesten unserer Zeit. Der Ausbau von Behandlungs- und Beratungszentren zu allerlei Themen in Deutschland zahlt sich nun aus. Es gibt kein Problem, für das es nicht gleichzeitig eine kompetente Beratung gibt.

Sozial = sexy

Die erhöhte Nachfrage hatte jedoch noch einen anderen „Side effect“: Menschen in sozialen Berufen sehen gut aus! Vergessen die Zeiten, als man die Damen und Herren auf 5 Meilen Entfernung anhand äußerer Merkmale hatte sofort erkennen können. Stattdessen sieht man die selbstbewussten Sozialpädagoginnen im kurzen Kleid mit Manolo Blahnik-Schühchen – äußerlich gleichauf mit jeder Bankerin, Wirtschaftsexpertin oder Agenturbesitzerin. Auch die männlichen Wohltäter unseres Landes zeigen sich inzwischen ungewohnt gepflegt, trainiert und können mitunter – zumindest äußerlich – als eine Casting-Alternative für Game of Thrones durchgehen. Das neue soziale Ich = sexy!



Wunschkonzert

Welche Auswirkungen dies hat? Von der äußerlichen Verwandlung ganz abgesehen, stechen sich potentielle Arbeitgeber zunehmend mit immer besseren Jobkonditionen gegenseitig aus. Wer sich heute als Erzieherin bewirbt, kann – je nach Träger - mit übertariflicher Bezahlung, zusätzlichen sozialen Leistungen und einer verkürzten Probezeit rechnen. Für diese Berufsgruppe entspricht die Jobsuche aktuell tatsächlich einem Wunschkonzert. Die freie Wahl zu haben, ist ein hohes Gut und trägt zu einer größeren Zufriedenheit in Arbeit und Beruf bei. Die Ingenieure der Soziallandschaft sozusagen.Letzens fragte man mich, ob ich nicht mehrere Stellenanzeigen für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen weiterleiten könnte, da sich in meinem Bekanntenkreis in der Tat so einige Weltverbesserer befinden. Doch als ich die Anzeige las, verwarf ich sie auch gleich wieder. Dieser Arbeitgeber hatte leider den „Schuss“ noch nicht gehört. Keine Extras, kein „Chinge-Bow-Wow“. Stattdessen Tarif xy mit 2 Jahren Befristung. So ändern sich die Zeiten…

3 Kommentare 24.5.19 14:49, kommentieren