Die Höllenfahrt durch die Hitzewelle

Nicht nur aus einem Umweltaspekt heraus, sondern vielmehr, um der eigenen Figur keinen Anlass zu geben, Gewicht zuzulegen, fahre ich – wann immer möglich – mit dem Fahrrad. Zu meiner Arbeitsstelle sind es etwa 15 km. Wenn man die Hauptstraßen meiden und lieber naturnahe Wege durch Parks und andere Grüngelände nehmen möchte, sind es auch manchmal 19 km.

Und wenngleich ich die Strecke auch nicht täglich mit dem Fahrrad fahre, sondern auch manchmal mit meiner alten Ratterkiste von Auto zurücklege, würde ich sagen, dass ich ganz gut in Form bin.
Doch was diesen Mittwoch geschah, hätte ich nicht geglaubt, wäre es mir nicht selbst passiert.

Auf dem Rückweg nach Hause gegen 14 Uhr begann nach etwa 15 Minuten mein Kopf zu klopfen. Mit jedem Herzschlag vernahm ich ein schmerzhaftes Pochen inmitten meines Schädels und eine plötzliche Übelkeit nahm mir fast den Atem. Und während ich mich zusammenriss, um möglichst schnell aus der Sonne und hinein in den nächsten Schatten zu fahren, wurde mir bewusst, dass es die Hitze war. Nach mehreren kleineren Anstiegen erhitzte sich mein Körper, was jedoch an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit mit tatsächlichen 38 Grad Hitze, offenbar zu einem Hitzestau führte.

Nach weiteren 10 Minuten ging es mir so schlecht, dass ich auf einer vielbefahrenen Straße anhielt, da auf dem dreckigen Gehweg daneben ein kleiner Schatten lag. Ich stieg ab und kauerte mich in das kleine, schattige Eck – wartend darauf, dass sich mein Körper abkühlen und es mir besser gehen würde. Nach weiteren schier unendlichen 10 Minuten dann war klar, dass dies zwar die Spitze nahm, aber keine echte Erholung bot. Ich musste also sehen, dass ich mich den Rest der Wegstrecke (noch gut 8 km) weder groß anstrengte, noch in der Sonne fuhr. Also ging ich in den zweiten Gang, ließ das Rad, so gut es ging, rollen und fuhr von Schatten zu Schatten, so klein diese auch waren. Nach etwa 4 km tat sich vor mir eine längere Strecke, vielleicht 400 Meter an der Hauptstraße auf, die keinerlei Schatten bot. Nicht einmal einen Fuß breit. Im letzten Schatten wartend, überlegte ich ernsthaft, mir ein Taxi zu rufen. Es war vollkommen verrückt, aber ich spürte, dass mein Körper auch nur die nächsten 200 Meter unter der sengenden Sonne nicht mehr tolerieren würde.

Inzwischen liefen mir tatsächlich die Tränen, weil ich mich selten so schlecht fühlte, wie in diesem, einen Moment. Mein gesamter Kopf pochte inzwischen und schmerzte; meine Glieder waren schwach, als könne ich nicht zwei Schritte voran gehen und mein Magen krampfte. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, was sicherlich mit ein Hauptgrund für die ausweglose Situation war.

Also wartete ich und überlegte. Nachdem die Bedingungen nicht zu ändern waren, so dachte ich mir, müsste ich also meine Einstellung zu diesen ändern. Und so stellte ich mir vor, ich stände in der Wüste und es ginge um Leben und Tod. Würde ich stehen bleiben, wäre mir der Tod sicher. Ich würde also weitergehen müssen, weiter, bis sich vielleicht irgendwann eine rettende Siedlung oder Karawane fände. Und so probte ich also den Ernstfall, biss die Zähne zusammen und stieg schließlich in die Pedale. Mit der allerletzten mir dargebotenen Kraft, radelte ich um mein Leben, um so schnell als möglich zur nächsten, schattigen Mauer zu gelangen, wo ich mich sofort wieder ausruhen würde.

Doch ich ruhte mich nicht aus. Stattdessen fuhr ich ganz langsam in den Schatten. Wie ein Vampir, mied ich auch nur den kleinsten Sonnenstrahl und sagte währenddessen alle mir bekannten Handy- und Festnetznummern auf, die mir in den Sinn kamen.

Doch da, erneut tat sich die nächste Hürde auf: Ich würde noch zwei recht knackige Anstiege meistern müssen, wollte ich irgendwie nach Hause kommen. Um diesen zu entkommen, müsste ich jedoch weitere 2,5 km in kauf nehmen müssen; weitere, unerträgliche Minuten, die ich länger bräuchte, bis ich zu Hause wäre. Und doch nahm ich schlussendlich den längeren Weg in kauf und fuhr inzwischen am ganzen Körper zitternd die Schlossmauer entlang. Immer wieder durchfuhr ich sonnige Abschnitte, die nicht nur von oben sondern auch von unten Hitze abstrahlten. Das Atmen fiel mir schwerer und schwerer und mit allerletzter Kraft, gelangte ich an einen See, der ganz in der Nähe meiner Wohnung liegt. Ich stieg ab, ging in diesen mit Schuhen hinein und schöpfte das Wasser ab, um es zu trinken.

Dazu muss man sagen, dass es kein richtiger See ist. Es ist ein künstlich angelegter „Teich“, der eine nahe gelegene Burg ziert und nicht viel mehr. Man darf weder hinein, noch – im Winter – darauf Schlittschuh fahren. Er ist einfach nett anzusehen. Aber, an diesem besonderen Tag, war mir das völlig egal. Es war mir auch egal, ob das Wasser vielleicht nicht gut für mich wäre. Und auch die vielen entsetzten Gesichter waren mir egal. Ich blieb so lange darin stehen, bis die Kälte des Wassers an meinen Füßen meine Überhitzung linderte und mein Kreislauf aufgrund des zugeführten Wassers wieder einigermaßen funktionierte.

Danach stieg ich wieder aufs Fahrrad, noch immer wackelig auf den Beinen, und fuhr so langsam als möglich die letzten 2 km am schattigen Wegesrand bis nach Hause.

Dort angekommen, stieg ich entgegen meiner Gewohnheit, direkt in den Aufzug und ließ mich bis vor meine Wohnungstür fahren. Dort angekommen, riss ich mir förmlich alle Kleidung vom Leib, setzte mich in die Badewanne und machte dort weiter, wo ich am Burgteich zuvor angefangen hatte. Ich ließ kaltes Wasser ein, kühlte mich ab und trank, so viel ich konnte. Danach legte ich mich völlig erschöpft auf die Couch und schließ erst einmal fast 2 Stunden, bevor mich meine Tochter aufweckte.

Natürlich hätte ich bereits den Vormittag zuvor viel mehr trinken müssen und, natürlich hätte ich mir etwas zu trinken mitnehmen müssen. Aber dies allein war nicht schuld an diesem „Höllentrip“, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Insofern kann ich nur jeden, der zur aktuellen Hitzewelle sportliche Ambitionen hat, eindringlich warnen, diesen nachzugehen. Wartet ab, bis es kühler wird! Und trinkt das Doppelte von dem, was ihr bisher getrunken habt (und damit meine ich Wasser)

Eure Joslin

4 Kommentare 25.7.19 23:34, kommentieren

Freundliche BMW-Fahrer: Wirklich?

Heute ist es doch tatsächlich geschehen. Ich möchte fast sagen, ein Wunder hat sich vor meinen Augen offenbart, als ich heute Nachmittag nach Hause fuhr.


Auf dem gewohnten Weg gibt es eine Stelle, an der man leider „einfädeln“ muss und darauf angewiesen ist, dass ein Autofahrer hält und einen in die Lücke hineinlässt. Täglich fahre ich die Strecke nun schon seit fast 7 Jahren. Dabei kann ich auf eine entsprechende Statistik zurückblicken, die ich mir über die Zeit selbst gebildet habe. Diese sieht in etwa so aus:


Autofahrer, die mich vor sich hineinfahren lassen:
1. Nicht-Münchner
2. Fahrer in gebrauchten Wägen (aber gepflegt)
3. LKW-Fahrer


Autofahrer, die mich so gut wie nie vorgelassen haben:
1. BMW-Fahrer
2. Frauen
3. PKW-Fahrer mit Münchner Kennzeichen
4. PKW-Fahrer in PKWs die mind. 80.000 € gekostet haben
5. PKW-Fahrer mit gebrauchten aber abgranzten Wägen (mit ausländischem Fahrer; nicht rassistisch gemeint!)


An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Statistik in keinster Weise sarkastisch oder gar zynisch gemeint ist. Es ist lediglich eine nüchterne Beobachtung einer wiederkehrenden Situation. Doch heute geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Diesmal zusammen mit meiner Tochter fuhren wir Richtung Heimat, als wir an der gewohnten Stelle stehen blieben, um links in die Hauptstraße einbiegen zu wollen. Ich setzte den Blinker und wartete, auf das die wenige Meter entfernte Fußgänger-Ampel betätigt wurde, und die entlangfahrenden Autos so und so halten müssen. Und da ergibt es sich normalerweise, dass uns jemand hineinlässt. Und heute, um 17:53 Uhr Ortszeit blieb ein weinroter BMW Z4 Roadster stehen und betätigte die Lichthupe.


Ich, die Lichthupen von BMWs eigentlich nur hinter sich kennt und das meist kurz bevor ein riskantes Überholmanöver folgt, zuckte zunächst zusammen. Sofort kam die Frage in mir auf, was ich wohl falsch gemacht haben könnte? Vielleicht funktionierte mein Blinker nicht einwandfrei? Vielleicht blockierte ich aber auch den Fahrer darin, selbst in meine Straße einbiegen zu wollen?


Ein innerer Stress begann sich auszubreiten. Mein Herz setzte sogar zwei Mal kurz aus, und meine Hände begannen augenblicklich zu schwitzen. Je mehr ich darüber nachdachte, desto stärker wurde das Gefühl, der Mann täte mir unrecht. Warum auch immer. Kurz war ich davor auszusteigen und ihm „Waaaaaaas?? Was ist? Kann und darf ich hier nicht mal in Frieden blinken??“ zuzurufen, als ich beobachtete, wie der Fahrer mir im Innern mit seiner Hand den Weg vor sich in die Lücke wies. Ein freundliches Hineinwinken. Völlig irritiert schüttelte ich einen Moment lang den Kopf, so als ob dies nicht sein könne, als ob in einem perfekten Bild ein Fehler wäre, den ich aber noch nicht so recht ausmachen konnte. Doch als er weiterhin wartete, setzte ich den ersten Gang ein und fuhr ganz langsam vorwärts.


Inzwischen blickte auch meine Tochter auf, die bis dahin mit ihren Gedanken als auch mit ihren Fingern in und an ihrem Handy hing. „Moment, das ist doch ein BMW, oder?“, fragte sie, als ich ungewohnt langsam vor den BMW-Fahrer fuhr, immer noch angespannt und in der fast zwanghaften Erwartung, gleich würde etwas geschehen.


Doch, als ich vor den Mann bog und ordentlich Gas gab, um nicht am Ende doch noch eine weniger freundliche Lichthupe zu kassieren, da wurde es mir offenbar: Es gab sie. Es existierten freundliche BMW-Fahrer – und das sogar noch, mit einem Münchner Kennzeichen. Auf der Weiterfahrt diskutierten meine Tochter und ich darüber, ob der Mann vielleicht gar nicht aus München käme, und den Wagen nur geliehen hatte? Vielleicht war es auch Mechatroniker, der den Wagen nur zu seinem Besitzer zurückfuhr? Wir werden es wohl nie erfahren.




Trotzdem: Das heutige Ereignis gibt Hoffnung, Hoffnung auf eine Welt mit dem ein oder anderen freundlichen BMW-Fahrer.

4 Kommentare 22.7.19 20:53, kommentieren

Kieferorthopäden: Wenn Geschäftstüchtigkeit vor Gesundheit geht

Was haben Zahnärzte und Schonheitschirurgen gemeinsam? Sie stehen unter dem Generalverdacht, mehr aus ihren Patienten herausholen zu wollen, als manchmal notwendig wäre. Dem geht eine über Jahrzehnte gehende Historie voraus, mit Fällen von geprellten oder gar entstellten Patienten. Gerade Zahnärzte haben mitunter Patienten Inlays oder Zahnkronen angediehen, die diese (noch) gar nicht benötigt hätten. Ferner gibt es eklatante Unterschiede in Preis und Qualität, was abermals Möglichkeiten der kreativen Preisgestaltung lässt. Interessanterweise stehen Kieferorthopäden, die reichen Brüder und Schwestern der Zahnärzte, indes nur selten im Fokus der Öffentlichkeit, wenn es darum geht, ob man unnötige Behandlungen empfiehlt und / oder durchführt. Und das, obwohl diese Ärzteschaft das Herausholen des maximalen Gewinns aus jedem Patienten geradezu perfektioniert hat.

Kieferorthopädie: Es gibt keinen perfekten Mundraum
Während also die Zahnärzte den „sanften Betrug“ am Patienten eingeführt haben und aufgrund negativer Publicity vielerorts wieder zur ehrlichen Behandlung zurückgerudert sind, machten die Kieferorthopäden eine noch durch die Krankenkassen finanzierte, legale und etablierte Praxis daraus. Denn, es gibt keinen Patienten, in dessen Mundraum nichts gemacht werden könnte. Die Frage, die viel wichtiger wäre nämlich, ob eine Behandlung unbedingt notwendig ist, wird stets mit einem Wort beantwortet: Ja.


Das dem natürlich nicht so ist sagt schon der gesunde Menschenverstand. Natürlich gibt es sie, die Härtefälle, die extremen Überbisse, die Deformationen, die Menschen, deren Äußeres von einer kieferorthopädischen Behandlung extrem profitiert. Die dadurch vielleicht ein neues Selbstwertgefühl erhalten. Doch sicher benötigen nicht 50 Prozent aller Kinder- und Jugendlichen in Deutschland eine Gebisskorrektur, was allerdings eine neue Statistik zu Tage gebracht hat.

Dr. med. dent. Henning Madsen, selbst Kieferorthopäde in Ludwigshafen, kritisierte dies unlängst in einem umfassenden Artikel der ZWP. Er beobachtete, dass viele seiner Kollegen beschwerdefreien Kindern und ihren Eltern eine kostenintensive Therapie mit hohen Zuzahlungen geradezu aufdrängen. Es wäre nicht nachvollziehbar, dass die Hälfte der deutschen Kinder behandlungsbedürftig schiefe Zähne hätte, während es in Schweden nur 27 Prozent sind. Weiter sagt er, das ein gesundheitlicher Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen gering und spekulativ wäre, da die Therapie auf mögliche, in der Zukunft liegende Gebissprobleme abzielt.

In der Praxis wird man kaum einen Kieferorthopäden finden, der dem eigenen Kind, obwohl mit völlig gesundem und normalen Gebiss ausgestattet, nicht doch eine Zahnkorrektur nahe legt. Interessant sind zudem die fast kriminell anmutenden Praktiken, mit denen versucht wird, schnellstmöglich Eltern und die Münder ihrer Kinder an die eigene Praxis zu binden. Ob das die Eltern überhaupt wollen oder nicht.



Der Kieferorthopäden-Knebelvertrag – die lukrative Langzeitbindung ohne Schlupfloch und Unterschrift
Aus eigener Erfahrung mit meiner Tochter und nun insgesamt vier Kieferorthopäden ist mir klar geworden, dass die freie Wirtschaft neidisch wäre, wenn sie wüsste, auf welche Weise Kieferorthopäden ihre Patienten binden. Hierfür ist nicht einmal eine Unterschrift nötig. Folgende Fehler sollte man daher nicht begehen, wenn man drüber nachdenkt, sein Kind auch nur zu einer ersten Einschätzung zum Kieferorthopäden zu bringen.

1. Keine Abdrücke, kein Röntgen, keine Fotos beim ersten Besuch!
Wenn man, wie ich, einen Termin bei einem Kieferorthopäden ausgemacht hat, um eine erste Meinung zum Gebiss der eigenen Tochter zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, der Arzt sieht sich den Mundraum genauer an und gibt daraufhin seine Meinung ab. Dieser Schlag von Kieferorthopäde ist selten, aber noch existent und bekäme jetzt schon einmal einen Vertrauens-Vorschuss. Oder er sagt, er müsse zunächst mal Aufnahmen und Abdrücke machen, da er sich sonst keine Meinung bilden könne. Hier gilt es gleich Stopp zu sagen. Warum? Wenn der Kieferorthopäde dies macht, erstellt er – ohne Ihnen dies mitzuteilen – automatisch einen Behandlungsplan und schickt diesen an Ihre Krankenkasse. Sollte Ihnen dann nach eingereichtem Vertrag (ein oder zwei Tage nach dem Infogespräch) einfallen, dass sie mit der geplanten Behandlung gar nicht einverstanden sind oder sich eine Zweitmeinung einholen wollen, haben Sie Pech gehabt. Ein Wechsel zu einem anderen Kieferorthopäden ist zwar denkbar, in der Praxis ab diesem Zeitpunkt aber fast nicht möglich. Wir haben mehrere Monate gesucht, um zu wechseln, da kaum eine Praxis eine Übernahme machen möchte. Bei Privatpatienten ist dies anders, da der neue Arzt hier erneut Aufnahmen machen darf und es sich hier auch für die Praxis wieder lohnt.Man kann es daher nicht oft genug sagen: Sind Sie sich nicht sicher, ob sie eine Behandlung und wenn ja, bei diesem Behandler durchführen möchten – verhindern Sie auf jeden Fall, dass dieser Abdrücke, Fotoaufnahmen oder sonstige Aufnahmen von Ihrem Kind macht und beharren Sie auf eine erste Einschätzung aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes.
Aufnahmen = Vertragsabschluss!

2. Achtung vor Zwischengesprächen – erneute Bindung möglich
Sollten Sie sich tatsächlich zu einer Behandlung entschlossen haben, wird es irgendwann ein Zwischengespräch geben. Hierzu muss man wissen, dass kieferorthopädische Behandlungen bei der Krankenkasse eingereicht werden müssen, und diese meist über 1 – 2 Behandlungsjahre gehen. Danach müsste ein neuer Behandlungsplan eingereicht werden. Dies geschieht – wie bereits am Anfang- zumeist ohne, dass Sie als Eltern davon erfahren. Stattdessen erfolgt ein Gespräch über die Behandlung und was die Praxis als nächstes vorschlagen würde. Und noch während sie ein paar Tage zu Hause darüber nachgrübeln, ob das eine Option für Sie oder Ihr Kind ist, hat Ihr Behandler meistens den Antrag bereits verschickt und Ihre Krankenkasse nicht selten auch schon freigegeben. Auch hier gilt: Gibt es ein Gespräch über das weitere Behandlungsprozedere, sagen Sie deutlich, dass Sie sich jetzt noch nicht entscheiden möchten, ob Sie dies so wollen und Sie wünschen, dass die Praxis keinen Antrag an die Krankenkasse schickt, bis Sie sich entschieden haben.

3. Wie lange geht die Behandlung? Wann ist sie abgeschlossen?
Wer eine kieferorthopädische Behandlung bei seinem Kind machen lässt, lässt sich oftmals unbemerkt auf eine sehr lange Partnerschaft ein. Denn eine Behandlung ist erst dann abgeschlossen, wenn ihr Kieferorthopäde das möchte. Es gibt genügend Fälle, wo Kinder über viele Jahre, noch bis zum 18. Lebensjahr, eine Spange tragen „müssen“, da der zuständige Behandler nicht gewillt ist, die Behandlung abzuschließen. Wenn Sie nach sachlichen Argumenten suchen, werden sie meist nicht wirklich fündig. Stattdessen läge es am (gerade bei losen Spangen) Kind selbst, dass die Spange zu selten tragen würde. Leider ist dies häufig Usus, weil man versucht die Behandlung, die ja im Kindesalter bis zum 18. Lebensjahr mehr oder weniger klaglos durch die Kassen bezahlt wird, bis zum letzten Tag auszukosten.Wenn Sie sich jetzt fragen, warum es ein wichtiger Punkt ist zu wissen, wann eine Behandlung endet, möchte ich Ihnen folgendes sagen: Sind Sie Kassenpatient, müssen Sie für jedes Mal, dass Ihr Kind beim Kieferorthopäden ist (auch bei Kontrollterminen) 20% der Rechnung selber tragen. Sie erhalten also innerhalb der gesamten Zeit unzählige Rechnungen, was sich über die Jahre bis zu mehreren Hundert Euro summieren kann. Sie erhalten dieses Geld jedoch zurück, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde. Wie Sie sehen, begeben Sie sich mit einer kieferorthopädischen Behandlung auch unbemerkt in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem behandelnden Arzt. Denn nur, wenn er Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn eine erfolgreiche Behandlung attestiert, sehen Sie Ihr Geld wieder. Nur, was passiert, wenn der Arzt einfach keinen „erfolgreichen Abschluss“ attestieren will? Denn im Rahmen des beantragten Zeitraums hat er jedes Recht dazu, die Behandlung nicht enden zu lassen.Davor schützen kann Sie im aktuellen Rechtsystem leider niemand. Ich rate jedoch Eltern, sich – bevor sie eine Behandlung beginnen – genauestens über die Länge dieser und die Kriterien zu informieren, die für einen „Erfolg“ sprechen. Lassen Sie sich dies schriftlich geben! Nur so können Sie sich im Zweifel wehren.

Es ist nicht nachzuvollziehen, dass Kieferorthopäden hierzulande ohne die schriftliche Zustimmung der Eltern einen Vertrag über die Krankenkassen schließen können. In jedem anderen Berufsstand wäre dies illegale Praxis und würde vor Gericht verhandelt werden. Wer also eine Behandlungs-Beziehung mit einem Kieferorthopäden eingeht, sollte sich daher absichern, in dem er selbst entsprechende Schriftstücke aufsetzt. Es wäre wünschenswert, die Krankenkassen würden, auch in ihrem eigenen Interesse, die Eltern mehr mit einbeziehen. Der Behandlungsplan über Umfang, Inhalt und Dauer sollte so, wie er an die Krankenkassen geht, auch von den Eltern gelesen und unterschrieben werden müssen. Und zu guter Letzt sei noch gesagt: Holen Sie sich auf jeden Fall immer zwei, oder besser drei Meinungen ein. Lassen Sie anfangs zunächst bei niemandem Aufnahmen machen – nur so haben Sie am Ende die freie Wahl. Und erst dann, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass der Arzt und die vorgeschlagene Behandlung das Beste für Ihr Kind sind, erst dann lassen sie entsprechende Aufnahmen machen. Und – falls es Sie, wie uns, erwischt hat und sie in einer unnötigen oder viel zu langen Behandlung feststecken – wehren Sie sich! Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse und suchen Sie sich einen anderen Behandler, auch wenn es aufwändig ist. Aber, lassen Sie sich dies nicht gefallen.
Alles Gute.

1 Kommentar 28.6.19 19:56, kommentieren

Soziale Berufe: Die Superstars der Arbeitswelt?

Erzieher und Sozialpädagogen sind – man hätte es nicht für möglich gehalten – die am meist gesuchtesten und am aktuell schwierigsten zu besetzenden Stellen. Vor ein paar Jahren sah dies noch anders aus. Man erinnere sich an die Zeiten, als man insbesondere über arbeitslose Sozialpädagogen spottete. Der Berufswunsch per se legte bereits eine gewisse Bereitschaft für die Zu-Arbeit in der Gastronomie oder als Taxifahrer nahe. Und auch das äußere Bild eines sozial Engagierten hatte häufig einen Hauch von Birkenstock mit Öko-Frisur-Flair. Spätestens jedoch seitdem immer mehr Mütter nach einer Vollzeit-Betreuung für ihre Kinder verlangen und mit viel Karrierebewusstsein die Betreuungs- und Erziehungsarbeit gern in die Hände von Fachleuten legen, ist der Bedarf weitaus größer als das Angebot. Doch nicht nur Erzieherinnen oder Erzieher sind begehrt wie nie zu vor. Soziale Berufe im Allgemeinen gehören nun zu den gefragtesten unserer Zeit. Der Ausbau von Behandlungs- und Beratungszentren zu allerlei Themen in Deutschland zahlt sich nun aus. Es gibt kein Problem, für das es nicht gleichzeitig eine kompetente Beratung gibt.

Sozial = sexy

Die erhöhte Nachfrage hatte jedoch noch einen anderen „Side effect“: Menschen in sozialen Berufen sehen gut aus! Vergessen die Zeiten, als man die Damen und Herren auf 5 Meilen Entfernung anhand äußerer Merkmale hatte sofort erkennen können. Stattdessen sieht man die selbstbewussten Sozialpädagoginnen im kurzen Kleid mit Manolo Blahnik-Schühchen – äußerlich gleichauf mit jeder Bankerin, Wirtschaftsexpertin oder Agenturbesitzerin. Auch die männlichen Wohltäter unseres Landes zeigen sich inzwischen ungewohnt gepflegt, trainiert und können mitunter – zumindest äußerlich – als eine Casting-Alternative für Game of Thrones durchgehen. Das neue soziale Ich = sexy!



Wunschkonzert

Welche Auswirkungen dies hat? Von der äußerlichen Verwandlung ganz abgesehen, stechen sich potentielle Arbeitgeber zunehmend mit immer besseren Jobkonditionen gegenseitig aus. Wer sich heute als Erzieherin bewirbt, kann – je nach Träger - mit übertariflicher Bezahlung, zusätzlichen sozialen Leistungen und einer verkürzten Probezeit rechnen. Für diese Berufsgruppe entspricht die Jobsuche aktuell tatsächlich einem Wunschkonzert. Die freie Wahl zu haben, ist ein hohes Gut und trägt zu einer größeren Zufriedenheit in Arbeit und Beruf bei. Die Ingenieure der Soziallandschaft sozusagen.Letzens fragte man mich, ob ich nicht mehrere Stellenanzeigen für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen weiterleiten könnte, da sich in meinem Bekanntenkreis in der Tat so einige Weltverbesserer befinden. Doch als ich die Anzeige las, verwarf ich sie auch gleich wieder. Dieser Arbeitgeber hatte leider den „Schuss“ noch nicht gehört. Keine Extras, kein „Chinge-Bow-Wow“. Stattdessen Tarif xy mit 2 Jahren Befristung. So ändern sich die Zeiten…

3 Kommentare 24.5.19 14:49, kommentieren

Thai-Massage: Nichts für schwache Nerven!

Vor etwa 2 Wochen gönnten mein Freund und ich uns eine „Partner-Thai-Massage“. In der Annahme, ein Erlebnis vollkommener Entspannung und Wellness zu bekommen, begaben wir uns in den kleinen asiatischen Laden um die Ecke. Hier hatte man uns telefonisch eine solche Massage zugesagt. Als wir erstmalig in den kleinen Laden hineingingen, wunderten wir uns schon etwas über die Aufmachung.

Das Geschäft als solches hatte nicht mehr als 10 qm. Linker Hand gab es eine kleine Sitzgelegenheit neben einer sehr schmalen und kleinen Theke, auf der ein Terminplaner lag. Rechts sah man eine Reihe von batikfarbenen Tüchern. Dahinter verbargen sich vier einfache Liegen, die durch weitere drei Tücher getrennt waren. Eine junge, hübsche Asiatin führte uns in zwei nebeneinander liegende „Kabinen“, in denen wir uns schon einmal ausziehen sollten. Das taten wir auch und legten uns bäuchlings auf die Liegen. Ich lauschte den sanften, asiatischen Klängen und spürte dem angenehmen Duft von Massageöl nach, der deutlich in der Luft hing.

Schließlich kam eine etwas ältere Asiatin in den Raum hinein, legte mir ein Handtuch über meine Hüfte, lehnte sich sanft über mich und hauchte ein: „Wenn äh weh tut, sagen, ja“ in mein Ohr.

Wenn äh weh tut
Ich nickte ihr kurz zu, so, als ob es nicht wichtig und völlig abwegig wäre. Denn noch immer wähnte ich mich in vollkommener Entspannung und freute mich auf die nun folgende Massage. Und doch, als die Masseurin mit lautem und hektischen Drücken eine größere Menge Öl in ihre Hände fließen ließ, hallten ihre Worte plötzlich in meinem Kopf nach „Wenn äh weh tut..“. Und noch bevor ich einen realen Gedanken des Zweifels ausformulieren konnte, hörte ich, wie die Dame mit einem lauten Klatschen das Öl auf meinen Rücken patschte und diesen mit ruppigen, fast brutalen Kniffen bearbeitete. Sie drückte, tief und noch tiefer. Verbog, quetschte und drückte noch tiefer hinein. Die ganze Zeit über fühlte ich mich wie jemand, der gerade von einem Bus überfahren wurde und dessen Hirn aufgrund des Schocks noch nicht reagiert hat. Mit weit aufgerissenen Augen spürte ich dem brutalen Treiben der Dame hinter mir nach, hielt den Atem an und biss die Zähne zusammen. Verzweifelt drehte ich meinen Kopf in Richtung meines Freundes in der Hoffnung, ihm ginge es genauso. Doch bevor ich ihn auch nur sehen konnte, drehte die resolute Dame meinen Kopf wieder herum und begann damit, meinen bis dahin vollkommen entspannten Nacken zu bearbeiteten. Und da war es dann soweit. Der Schmerz raubte mir den Atem und so stieß ich tatsächlich ein „Aua!“ aus.



Aua heißt in Thailand „härter“?
Schmerzverzerrt verkrampfte ich meinen Nacken. „Oh, hier sehr hart“, erkannte meine findige Peinigerin sofort und drückte wiederholt noch tiefer in das sicherlich bereits verletzte Muskelgewebe hinein und abermals entglitt mir ein „Aua! Das tut weh!“. So, dies würde nun sicherlich der Zeichen genug sein, dachte ich mir und atmete tief durch.


Der Zeichen nicht genug
Doch mein Atem war noch nicht ganz meiner Lunge entwichen, als die Dame erneut die durch sie selbst verursachte Verkrampfung mit weiterem, unerträglichem Hineindrücken und Darüberstreichen zu lösen versuchte. Inzwischen biss ich bereits in das vor mir liegende Handtuch hinein. Denn offenbar waren ihr meine Schmerzensschreie mehr Motivation als Warnung und so musste ich um alle in der Welt versuchen, keinen Mucks mehr von mir zu geben.

Währenddessen hörte ich meinen Freund zu seiner Masseurin sagen: „Bitte nicht ganz so fest“. Oh, dachte ich mir. Und das kommt von jemandem, der seinen Schmerz zu keinem Zeitpunkt zum Ausdruck bringen würde. An diesem Punkt wusste ich also, dass ich mit dieser, ganz sicher traumatisierenden, Erfahrung nicht mehr alleine war. Dies gab mir Kraft, um auch noch die folgenden Minuten zu ertragen. Vielleicht würden die Schmerzen am Ende ja sogar noch für etwas gut sein. Vielleicht würde es mir mein nun völlig neu arrangiertes Muskelgewebe danken?




Mein Muskelgewebe dankt es mir nicht
Tatsächlich arbeitete sich die Dame vom tieferen Rücken, über die Finger, Hände, Unter- und Oberarme zu den Schultern, dem Nacken und sogar zur Kopfhaut vor und jede Stelle, die sie „behandelte“ tat danach weh. Jede. Selbst, als sie ganz am Schluss noch über mein Gesicht ging und hier herumdrückte und meine Haut hin- und herschob, fühlte ich Schmerzen und ein heftiges Unbehagen. Und dann, als ich schon dachte, es hört nicht mehr auf, warf sie plötzlich meinen Kopf zur Seite und meinte: „Schluss“. Hektisch drückte sie meinen Oberkörper nach oben und wollte mir wohl damit zu Verstehen geben, dass ich mich aufsetzen soll. Nun denn, das tat ich auch. Doch als die gute Dame, die in Guantanamo die härtesten Taliban zum Singen gebracht hätte, in mein Gesicht blickte, durchfuhr sie ein kurzer Schreck.

Schmerzen machen doch nicht schön
Ihre Reaktion machte mich etwas stutzig. Also sah ich zu meinem Freund hinüber, der bereits dabei war, sich anzuziehen. Erst lächelte er doch im nächsten Moment war auch bei ihm ein kleiner Schock zu verzeichnen, den er sogleich versuchte mit einem noch breiteren Lächeln zu überspielen.

Irritiert und wackelig auf den Beinen zog ich mich an, packte meine Sachen und warf nun selbst einen Blick in eine der Fensterreflektionen. Nun, soviel sei gesagt – 45 Minuten Dauerschmerz sind einem Menschen offenbar auch nachhaltig anzusehen. Meine Augen waren rot, klein, mein Gesicht weiß wie die Wand. Hinzu kamen noch die völlig zerzausten Haare, die von der ruppigen „Kopfhautmassage“ gezeichnet waren. Kurz gesagt: Ich sah aus, wie eine Psychiatrieinsassin auf einem schizoiden Trip.

Ibuprofen, mein bester Freund
Was als anregender und entspannender Auftakt eines gemeinsamen Paarwochenendes gedacht war, endete nun hier. An den Stufen dieses kleinen, unscheinbaren Asialadens. Die nächsten Tage konnte ich meinen Kopf kaum bewegen und auch der Rest meines Körpers schmerzte bei jeder Bewegung. Ich jammerte meinem Freund die Ohren voll. Dieser, nicht weniger enttäuscht von dem kläglichen Ausgang eines kinderfreien Wochenendes, brachte mir eine Ibuprofen nach der anderen. Immerhin – sie halfen mir. Sie verstanden und lösten meinen Schmerz.

Was ist also die Lehr dieser Geschicht? Buche keine Massagen, die Du nicht vorher gegooglet hast, nicht.

5 Kommentare 23.4.19 23:06, kommentieren

ARD-Produktion „Sohn“: Das schlimmste, was Deutsches Fernsehen zu bieten hat

Gestern Abend kam noch eine Freundin vorbei, um sich mit mir einen Film anzusehen, in dem es um „Alleinerziehende und Pubertät“ in der ARD ging. Dies war zumindest die Vorabinformation auf deren Basis wir uns dann den filmischen Albtraum ansahen; besser durchquälten. Denn was uns da erwartete, war wirklich das abgrundtief peinlichste und schlechteste, was ich überhaupt je gesehen habe. Dagegen ist „Sharknado 2“ ein Filmkunstwerk mit Nominierungspotential.

„Sohn“: Der Fehlversuch einer kaputten Mutter-Sohn-Beziehung

Vorweg muss gesagt werden, dass der Film ein grundsätzlich zu diskutierendes Thema bearbeiten will: Die Überbehütung von Kindern. Um diesem dann noch etwas Glaubwürdigkeit anzuhaften, konstruierte man noch den Umstand des Alleinerziehens plus chronischer Erkrankung des Kindes (Asthma) dazu. Theoretisch hätte dies funktionieren können. Ein spannendes Beziehungsdrama zwischen Mutter und pubertierendem Sohn. Doch was sich die Macher dieses Films hier erlauben ist nicht nur unerträglich – es ist schlicht vollkommen überzeichnet und komplett unrealistisch. Jeder, der selbst Kinder hat, wird mir beipflichten. Dass der Filmsohn vollkommen verkorkst ist, hat sicher wenig mit dem Asthma des Jungen und noch weniger mit der Tatsache zu tun, dass die Mutter alleinerziehend ist. Die Schuld darin suchen zu wollen erscheint eher als Beleidigung aller Alleinerziehenden gegenüber, die in den allermeisten Fällen doch eher weniger Zeit haben, ihr Kind überzubehüten, als die klassischen Vorstadtmütter mit vollverdienendem Ehemann. Typisch mal wieder der überzeichnete, typisch deutsche Versuch von Schauspielkunst: Alle Figuren sind viel zu ernst, zu aggressiv, zu wütend. Im Theater der Antike sicherlich hoch gefeiert, wirkt die Darstellung im Jahre 2017 vollkommen daneben. Dabei können die Darsteller noch am wenigsten dafür. Sie alle brauchen das Geld und haben nur das umgesetzt, was ihnen vorgegeben wurde. Die Skript-Schreiber und Macher des Films jedoch wussten was sie taten – und dies noch finanziert.

Meine Freundin und ich überlegten gestern noch länger angestrengt, wer ein solches Filmprojekt wohl durchgewunken haben könnte. Die Tatsache bei Seite gelassen, dass der Film auch noch durch öffentliche Gelder finanziert laufen darf, ist das miese und grenzwertig perverse Drehbuch nur durch ein ebenso schlimmes Gedankengut des Schreibers zu begründen. Erfahrungswerte von Eltern mit pubertierenden Kindern wurden hier ganz sicher nicht wiedergespiegelt. So lässt sich das immerwährend gegenüber der Mutter brüllende und aggressive Verhalten eher durch eine grundlegende Störung (zu behandelnde) erklären, als durch zu viel Liebe der Mutter.

Die ehrliche Zusammenfassung einer filmischen Katastrophe

Daher hier noch einmal – exklusiv und brandheiß – die Ankündigung, die dem Film eher gerecht geworden wäre:

„Eine psychisch kranke Frisörin lebt mit ihrem gestörten, fast erwachsenen Sohn zusammen, der sich ihr gebenüber stets aggressiv und vulgär verhält. Die wenig cleveren Versuche ihrerseits, mit ihrem Sohn ins Gespräch zu kommen, werden von ihm wieder und wieder mit anzüglich-aggressiven Worten und einem sofortigen Abgang abgestraft. Im Laufe der Geschichte werden am Wohnort der Familie mehrere Frauen brutal vergewaltigt und umgebracht. Die Mutter, die ihren Sohn beim Sehen von Bondage- und SM-Pornovideos erwischt, verdächtigt sofort ihn als Täter. Die Tatsache, dass dieser bei jeder kleinsten Anstrengung einen fast tödlichen Asthmaanfall erleidet, scheint sie bei der Verdächtigung nicht zu irritieren und so beschließt sie schließlich ihm weiter nachzuspionieren. Als der Sohn auch bei weiterem Nachfragen immer aggressiver wird und sie sogar würgt, nimmt sie – nach wie vor in dem Wahn lebend, er wäre der Mörder der Frauen – von ihm innerlich Abschied. In einer weiteren Eskalation zwischen beiden hat er erneut einen Asthmaanfall und sucht sein Spray, welches die Mutter ihm, versteckt in ihrer Hand haltend, nicht gibt und dabei zusieht, wie er stirbt. Bei der Beerdigung kommt raus, dass der Mörder ein anderer war.“

Die Lehr von der Geschicht

Nachdem wir uns fast 1 ½ Std. durch den Film durchgequält hatten, fragten wir uns unwillkürlich: Und was nun? Was sollte uns das nun sagen? Sollte man aggressive Söhne und deren Mütter zukünftig besser im Auge behalten? Sollte man Alleinerziehende überhaupt besser im Auge behalten? Sollten alle Söhne Alleinerziehender und deren Mütter prophylaktisch behandeln? Sind am Ende alle Frisörinnen psychotische Mörderinnen?

Meine „Lehr“, die kenne ich zumindest: Schau Dir keinen deutschen Fernsehfilm mehr an. Danke.

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