Thai-Massage: Nichts für schwache Nerven!

Vor etwa 2 Wochen gönnten mein Freund und ich uns eine „Partner-Thai-Massage“. In der Annahme, ein Erlebnis vollkommener Entspannung und Wellness zu bekommen, begaben wir uns in den kleinen asiatischen Laden um die Ecke. Hier hatte man uns telefonisch eine solche Massage zugesagt. Als wir erstmalig in den kleinen Laden hineingingen, wunderten wir uns schon etwas über die Aufmachung.

Das Geschäft als solches hatte nicht mehr als 10 qm. Linker Hand gab es eine kleine Sitzgelegenheit neben einer sehr schmalen und kleinen Theke, auf der ein Terminplaner lag. Rechts sah man eine Reihe von batikfarbenen Tüchern. Dahinter verbargen sich vier einfache Liegen, die durch weitere drei Tücher getrennt waren. Eine junge, hübsche Asiatin führte uns in zwei nebeneinander liegende „Kabinen“, in denen wir uns schon einmal ausziehen sollten. Das taten wir auch und legten uns bäuchlings auf die Liegen. Ich lauschte den sanften, asiatischen Klängen und spürte dem angenehmen Duft von Massageöl nach, der deutlich in der Luft hing.

Schließlich kam eine etwas ältere Asiatin in den Raum hinein, legte mir ein Handtuch über meine Hüfte, lehnte sich sanft über mich und hauchte ein: „Wenn äh weh tut, sagen, ja“ in mein Ohr.

Wenn äh weh tut
Ich nickte ihr kurz zu, so, als ob es nicht wichtig und völlig abwegig wäre. Denn noch immer wähnte ich mich in vollkommener Entspannung und freute mich auf die nun folgende Massage. Und doch, als die Masseurin mit lautem und hektischen Drücken eine größere Menge Öl in ihre Hände fließen ließ, hallten ihre Worte plötzlich in meinem Kopf nach „Wenn äh weh tut..“. Und noch bevor ich einen realen Gedanken des Zweifels ausformulieren konnte, hörte ich, wie die Dame mit einem lauten Klatschen das Öl auf meinen Rücken patschte und diesen mit ruppigen, fast brutalen Kniffen bearbeitete. Sie drückte, tief und noch tiefer. Verbog, quetschte und drückte noch tiefer hinein. Die ganze Zeit über fühlte ich mich wie jemand, der gerade von einem Bus überfahren wurde und dessen Hirn aufgrund des Schocks noch nicht reagiert hat. Mit weit aufgerissenen Augen spürte ich dem brutalen Treiben der Dame hinter mir nach, hielt den Atem an und biss die Zähne zusammen. Verzweifelt drehte ich meinen Kopf in Richtung meines Freundes in der Hoffnung, ihm ginge es genauso. Doch bevor ich ihn auch nur sehen konnte, drehte die resolute Dame meinen Kopf wieder herum und begann damit, meinen bis dahin vollkommen entspannten Nacken zu bearbeiteten. Und da war es dann soweit. Der Schmerz raubte mir den Atem und so stieß ich tatsächlich ein „Aua!“ aus.



Aua heißt in Thailand „härter“?
Schmerzverzerrt verkrampfte ich meinen Nacken. „Oh, hier sehr hart“, erkannte meine findige Peinigerin sofort und drückte wiederholt noch tiefer in das sicherlich bereits verletzte Muskelgewebe hinein und abermals entglitt mir ein „Aua! Das tut weh!“. So, dies würde nun sicherlich der Zeichen genug sein, dachte ich mir und atmete tief durch.


Der Zeichen nicht genug
Doch mein Atem war noch nicht ganz meiner Lunge entwichen, als die Dame erneut die durch sie selbst verursachte Verkrampfung mit weiterem, unerträglichem Hineindrücken und Darüberstreichen zu lösen versuchte. Inzwischen biss ich bereits in das vor mir liegende Handtuch hinein. Denn offenbar waren ihr meine Schmerzensschreie mehr Motivation als Warnung und so musste ich um alle in der Welt versuchen, keinen Mucks mehr von mir zu geben.

Währenddessen hörte ich meinen Freund zu seiner Masseurin sagen: „Bitte nicht ganz so fest“. Oh, dachte ich mir. Und das kommt von jemandem, der seinen Schmerz zu keinem Zeitpunkt zum Ausdruck bringen würde. An diesem Punkt wusste ich also, dass ich mit dieser, ganz sicher traumatisierenden, Erfahrung nicht mehr alleine war. Dies gab mir Kraft, um auch noch die folgenden Minuten zu ertragen. Vielleicht würden die Schmerzen am Ende ja sogar noch für etwas gut sein. Vielleicht würde es mir mein nun völlig neu arrangiertes Muskelgewebe danken?




Mein Muskelgewebe dankt es mir nicht
Tatsächlich arbeitete sich die Dame vom tieferen Rücken, über die Finger, Hände, Unter- und Oberarme zu den Schultern, dem Nacken und sogar zur Kopfhaut vor und jede Stelle, die sie „behandelte“ tat danach weh. Jede. Selbst, als sie ganz am Schluss noch über mein Gesicht ging und hier herumdrückte und meine Haut hin- und herschob, fühlte ich Schmerzen und ein heftiges Unbehagen. Und dann, als ich schon dachte, es hört nicht mehr auf, warf sie plötzlich meinen Kopf zur Seite und meinte: „Schluss“. Hektisch drückte sie meinen Oberkörper nach oben und wollte mir wohl damit zu Verstehen geben, dass ich mich aufsetzen soll. Nun denn, das tat ich auch. Doch als die gute Dame, die in Guantanamo die härtesten Taliban zum Singen gebracht hätte, in mein Gesicht blickte, durchfuhr sie ein kurzer Schreck.

Schmerzen machen doch nicht schön
Ihre Reaktion machte mich etwas stutzig. Also sah ich zu meinem Freund hinüber, der bereits dabei war, sich anzuziehen. Erst lächelte er doch im nächsten Moment war auch bei ihm ein kleiner Schock zu verzeichnen, den er sogleich versuchte mit einem noch breiteren Lächeln zu überspielen.

Irritiert und wackelig auf den Beinen zog ich mich an, packte meine Sachen und warf nun selbst einen Blick in eine der Fensterreflektionen. Nun, soviel sei gesagt – 45 Minuten Dauerschmerz sind einem Menschen offenbar auch nachhaltig anzusehen. Meine Augen waren rot, klein, mein Gesicht weiß wie die Wand. Hinzu kamen noch die völlig zerzausten Haare, die von der ruppigen „Kopfhautmassage“ gezeichnet waren. Kurz gesagt: Ich sah aus, wie eine Psychiatrieinsassin auf einem schizoiden Trip.

Ibuprofen, mein bester Freund
Was als anregender und entspannender Auftakt eines gemeinsamen Paarwochenendes gedacht war, endete nun hier. An den Stufen dieses kleinen, unscheinbaren Asialadens. Die nächsten Tage konnte ich meinen Kopf kaum bewegen und auch der Rest meines Körpers schmerzte bei jeder Bewegung. Ich jammerte meinem Freund die Ohren voll. Dieser, nicht weniger enttäuscht von dem kläglichen Ausgang eines kinderfreien Wochenendes, brachte mir eine Ibuprofen nach der anderen. Immerhin – sie halfen mir. Sie verstanden und lösten meinen Schmerz.

Was ist also die Lehr dieser Geschicht? Buche keine Massagen, die Du nicht vorher gegooglet hast, nicht.

23.4.19 23:06

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Diethelm / Website (26.4.19 00:52)
Hallo Joslin, sehr schön geschrieben, endlich mal jemand, der des Deutschen mächtig ist ;-)
Es ist richtig, Iboprofen hilft, geht aber auf die Nieren wie fast alle Schmermittel (Voltaren, Diglo), und da eine Nier bei mir eh nicht funktioniert und die andere auch bereits geschädigt ist (warum sagt einem kein Arzt das=), stellte mein Nephrologe meine ganzen Medikamente um, ich nehme nun als Schmerzmittel Novalminsulfon, morgens eine Tablette und bei Bedarf 20 Tropfen zusätzlich am Tag.
Ich nehme an, Du hast auch in meinen Blog geschaut, sonst hättest Du mir ja nicht die Freundschaft angeboten, es macht mich etwas stolz, dass ich alter Knacker noch eine junge Frau ansprechen kann :-)
Schöne Restwoche noch
Diethelm


Mirco / Website (27.4.19 06:33)
Hallo Joslin,

super verfasst, der Leser kann regelrecht mitleiden. Ich bin doch etwas verwundert, da ich diese schmerzhafte Art von Massagen bislang nur aus China kenne. Hier ist die Qualität weit gestreut und zudem mögen viele Chinesen die harte Variante sehr gerne. Aus Thailand bin ich wesentlich bessere Massagen gewohnt. Hiermit empfehle ich einen Urlaub in Thailand, dann klappt es sicher auch mit einer angenehmen Massage. Jetzt hast due mich inspiriert, demnächst auch mal einen Eintrag zu Massagen in Asien zu verfassen.

Viele Grüße aus Ningbo

Mirco


Joslin (6.5.19 20:55)
Hahhah.. danke für eure Rückmeldungen. Wegen Iburpofen (ja, vielleicht sollte ich im Zweifel mal über eine Alternative nachdenken) und der Hoffnung, in Thailand gäbe es vielleicht doch noch entspannende Massagen :-) Liebe Grüße Joslin


PP / Website (6.6.19 14:47)
Ich war wohl in demselben Laden und las beim Rausgehen kleingedruckt unter den Öffnungszeiten: "Sponsert by BASF" .. LG


Joslin (28.6.19 19:49)
Haha..

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